Kopenhagen und zurück
Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Ich wollte es bis zum letzten Tag nicht richtig glauben, dass wir mit unserer Sampan (einer Linsen Sturdy 40) auf große Fahrt gehen.
Die Vorbereitungen haben schon im Januar/Februar begonnen. Es wurden Bücher und Karten gekauft und studiert, mit unseren Freunden Karin und Rainer alles durchgesehen und besprochen. Einkaufslisten wurden zusammengestellt und eingekauft. Das Boot wurde voll gepackt mit allem, was man braucht und nicht braucht.
Am 01.06.2002 war es dann so weit: Um 18.40 Uhr hieß es: "Leinen los!". Wir legten in Gustavsburg im Hafen ab. Es ging in die Eltviller Au. Als wir am Segelclub vorbei fuhren, wurden wir nochmals von unseren Kindern verabschiedet, sie haben mit großen weißen Tüchern gewunken.
In der Eltviller Au haben wir Karin und Rainer getroffen, denn am 02.06.2002 setzten wir gemeinsam unsere Reise fort. Um 6.30 Uhr machten wir uns auf die große Fahrt. Das Wetter war traumhaft. Unser erstes gemeinsames Ziel war Düsseldorf, wo wir um 18.20 Uhr ankamen. Dort legten wir die Masten, denn die Brücken an den Kanälen sind nur ca. 4 bis 4.20 m hoch.
Der nächste Tag, es war der 03.06.2002, führte uns schon in den Rhein-Herne-Kanal bei Rhein Strom Km 780,4. Die Schleuse Duisburg - Meiderich sollte erst wieder um 14 Uhr schleusen, so machten wir kehrt, haben unseren Plan kurzfristig geändert und sind in die Ruhr eingefahren. Unsere erste Schleuse war die Ruhrschleuse Duisburg. Durch einen Verbindungskanal konnten wir wieder zurück in den Rhein-Herne-Kanal. Es folgten noch vier Schleusen an diesem Tag. Unsere anfängliche Unsicherheit bzw. Unwissenheit beim Schleusen hat sich bereits an diesem Tag völlig gelegt. Man hat aber auch im Laufe der Jahre wilde Geschichten vom Schleusen gehört. Ich kann nur sagen: Es ist halb so schlimm, wenn man gut vorbereitet ist. Dazu gehören auf jeden Fall Fender, Leinen und Schleusenhaken. Am alten Schiffshebewerk in Henrichenburg im Hafen des Verbandsvereins Yachtclub Hebewerk Henrichenburg haben wir festgemacht. Der Rhein-Herne-Kanal ist hier zu Ende.
Am 04.06.2002 um 6.30 Uhr hieß es wieder: "Leinen los!". In der Nacht hatte es geregnet und der Himmel war bedeckt. Die Kanalfahrt war gemütlich und ruhig, nicht viel Verkehr. Wir fuhren nun schon auf dem Dortmund-Ems-Kanal. Bei dem Verbandsverein Monasteria Yacht-Club Münster, Strom Km 70,7. haben wir für diesen Tag angelegt. Das Wetter wurde noch richtig gut, die Sonne schien, und der Hafen ist sehr zu empfehlen (Hafentag). Die Stadt Münster ist sehenswert. Wir haben Kirchen, das Rathaus und schöne alte Häuser bewundert.
Am 06.06.2002 ging unsere Reise weiter. Der Tag begann gleich mit der Schleusengruppe Münster, aber das konnte uns nicht erschrecken. Es regnete. Bei Strom Km 108,4 fuhren wir in den Mittellandkanal ein. Das Wetter wurde besser. Die Nacht verbrachten wir an einer Anlegestelle am Kanal.
Die Fahrt auf dem Mittellandkanal ging weiter, und die Schleuse Anderten (Fallhöhe 14.70 m) war zu überwinden. Bei Strom Km 233,6 m fuhren wir in den Elbe-Seiten-Kanal bei Strom Km 0 ein. Wetter: immer noch Regen. Und wieder eine Schleuse. Die Schleuse Uelzen (Strom Km 60,5) hatte eine Fallhöhe von 23 m, sehr beeindruckend. Das größte Erlebnis war allerdings das Hebewerk Lüneburg - Scharenbeck am nächsten Tag, dem 09.06.2002, bei Strom Km 106,2 mit einer Höhe von 38 m. Bei Strom Km 115,2 war der Elbe-Seiten-Kanal zu Ende. Einmündung in die Elbe, bei Elbe Strom Km 573. Einfahrt aus der Oberelbe bei Strom Km 569,2 in den Elbe-Lübeck-Kanal, welcher bei Strom Km 61,65 beginnt.
In Lauenburg haben wir getankt und schon ging´s weiter mit der Schleuse Lauenburg. An diesem Tag hatten wir noch eine Schleuse vor uns. In Mölln, der Stadt des Till Eulenspiegel, haben wir wieder einmal einen Hafen angelaufen. Ansonsten haben wir an den Kanälen übernachtet. Der alte Stadtkern von Mölln ist recht nett. Das Wetter hatte sich gebessert, es schien sogar die Sonne.
10.06.2002 in Mölln haben wir um 6.20 Uhr abgelegt. Wieder hatten wir fünf Schleusen vor uns, aber auch diese haben wir gemeistert. Das waren auch für eine ganze Zeit die letzten Schleusen.
Bei Strom Km 0 ist der Elbe-Lübeck-Kanal zu Ende. Durch den Stadtgraben fuhren wir in den Trave-Kanal und dann ab in die Trave. Von der Stadt Lübeck haben wir auf der Hinreise nicht viel gesehen. Es gab ein dickes Gewitter, Regen wie aus Kübeln und starken Wind! Im Passathafen in Travemünde haben wir angelegt. Als der Regen nachgelassen hatte, wurden die Masten wieder gestellt.
11.06.2002: Um 6.30 Uhr machten wir los und diesmal stachen wir im wahrsten Sinne des Wortes in See! Vor uns lag die Ostsee, unser Ziel war Fehmarn! Das Boot hat ganz schön geschaukelt. Die Kartenarbeit war gelungen, wir haben alle Tonnen gefunden. Auf Fehmarn haben wir in Burgstaaken festgemacht. Das Wetter: mal Sonne, mal Regen, Wind 4-5. Es folgten vier Hafentage auf Fehmarn und ein Besuch bei unseren Kindern in Niendorf. In der Hoffnung, dass das Schiff besser auf der See liegt, haben wir uns ein Stützsegel anfertigen lassen. Ute, unsere Tochter, hat uns ihr Auto (den Paul) zur Verfügung gestellt, so konnten wir die Insel erkunden. Es gibt schöne alte Kirchen und so manches mehr zu sehen.
Am 16.06.2002 ging unsere Reise weiter nach Gedser, unser erster Anlaufspunkt in Dänemark. Die Fahrt war recht gut, das Stützsegel schien doch etwas zu nutzen. Das Wetter war gut, Sonne, ein paar Wolken, Wind 4-5. Die Insel Falster und den Hafen in Gedser haben wir gut erreicht, der Hafen ist o.k, der Ort sehr trostlos.
17.06.2002 um 8.30 Uhr Abfahrt! Es ging nach Klintholm auf der Insel Mons Klint. Das Wetter dunstig und kühl, Wind 5. Um 14.00 Uhr konnten wir im Hafen von Klintholm anlegen. Das Wetter wurde noch schön. Der Hafen ist gut, den Ort kann man vergessen, man kann aber einkaufen. Die Kreidefelsen von Mons sind sehr beeindruckend, sehr schön, wenn sie von der Sonne angestrahlt werden.
Am 18.06.2002 machten wir uns um 7.30 Uhr von Klintholm aus auf den Weg nach Kopenhagen. Das Wetter war schön. Die Überfahrt nach Dragor war gut, gegen 14.00 Uhr lagen wir dort im mit Schiffen gefüllten Hafen. Das Örtchen Dragor ist recht nett. Wir besuchten von hier aus Kopenhagen, mit dem Bus Nr. 30 eine halbe Stunde Fahrt. Es folgten drei Hafentage in Dragor.
1. Tag:
Wir trafen uns mit Karin und Rainer, es ging mit dem Bus nach Kopenhagen bis zum Marktplatz. Darauf folgte eine Stadtrundfahrt mit der blauen Linie. Man konnte aussteigen, sich einiges ansehen und mit dem nächsten oder übernächsten Bus weiterfahren; ich fand das gut. Kopenhagen ist eine sehr schöne und lebendige Stadt, viele junge Menschen. Wir haben viel gesehen, auch die kleine Jungfrau, die wirklich sehr klein ist.
2. Tag:
Ruhetag und geplanter Besuch in Tivoli. Um 15.00 Uhr haben wir uns mit Karin und Rainer
in Kopenhagen getroffen, aber es regnete wieder wie aus Kübeln. Wir haben gemeinsam
beschlossen, wieder nach Dragor zurückzufahren, denn bei diesem Wetter hätte Tivoli
bestimmt keinen Spaß gemacht.
3. Tag:
Zweiter Anlauf für einen Besuch im Tivoli. Das Wetter war schön und einem Tivoli-Besuch stand nichts im Wege. Wir waren alle von den sehr schönen Grünanlagen und den vielen Blumen und Farbzusammenstellungen begeistert. Der dritte Hafentag hatte sich gelohnt. Ich denke, Kopenhagen ohne Tivoli, da hätte was gefehlt!
Unser großes Ziel Kopenhagen hatten wir erreicht, nun ging unsere Reise wieder langsam
zurück.
Dragor - Klintholm
Klintholm - Gedser
Gedser - Burgstaaken
Burgstaaken - Travemünde
Travemünde - Lübeck
Ab Lübeck fuhren wir wieder durch die Kanäle: Elbe-Lübeck-Kanal, Elbe, Elbe-Seiten-Kanal, Mittellandkanal, Dortmund-Ems-Kanal, Rhein-Herne-Kanal und wieder in den Vater Rhein.
Noch zu berichten wäre, dass wir in Klintholm vier Tage eingeweht waren. Da haben wir Lothar Krämer mit seiner Crew getroffen, sie mußten ebenfalls mit dem Auslaufen warten. Der Wind war ganz schön heftig 6-7, in Böen 8. Nach vier Tagen im Hafen haben wir es gewagt, auszulaufen. Es war Donnerstag, der 27.06.2002. Das Wetter war trüb und kühl, Wind 5-6, auch die Wellen waren zu Beginn noch akzeptabel. Der Wetterbericht hörte sich eingentlich ganz gut an, aber der Wind und die Wellen nahmen stetig zu. Es war sehr heftig. Obwohl wir alles festgezurrt hatten, flog alles durch das Schiff. Wir waren froh, als wir in Gedser einliefen. Zum Glück waren dort drei starke Männer am Steg und haben uns geholfen, anzulegen. Nach dem Festmachen stellten wir fest, dass das Schlauchboot nur noch an dem Steuerboot Davit hing. Wir dachten ja erst, es sei alles weg, der Motor und so, er war aber Gott sei Dank noch da. Erich konnte den Davit wieder richten. Die sechs Schrauben von 8 mm Stärke hat es einfach abgerissen, der Wind und das Wasser hatten wahnsinnige Kräfte. Auch den Motor konnte Erich wieder zum Laufen bringen. Er wurde mit Süßwasser gereinigt, und die Sonne und der Wind haben ihn getrocknet. Nach einer halben Stunde Trockenfahrt war er wieder 100 % einsatzbereit.
Wir hatten wirklich riesiges Glück. Unsere Schiffe haben sich auch bei diesem Starkwind gut bewährt.
Es folgten dann wieder sieben Hafentage. Es war einfach immer zu viel Wind, 6-7 in Böen 8-9, man sollte nichts herauf beschwören!
Am 6. Hafentag haben wir einen Ausflug mit der großen Fähre nach Rostock unternommen. Die Stadt ist recht schön, es wird aber noch viel gebaut. Das Wetter war wie in den letzten Tagen verregnet und grau. In Rostock haben wir den nettesten Busfahrer kennengelernt. Am Nachmittag fuhren wir mit der Fähre wieder zurück nach Gedser, da schien die Sonne.
Am 05.07.2002 hieß es endlich wieder: "Leinen los!" Das Wetter war schön, Sonne und Wind 4-5. Die See war aber noch ziemlich rauh, Wellen ca. 1,5 bis 2 m. Unser Ziel war Burgstaaken. Um 14.00 Uhr lagen wir wieder fest und sicher im Hafen. In Burg haben wir dann noch eingekauft.
06.07.2002 Aufbruch nach Travemünde. Das Wetter war trüb, dunstig, die See spiegelglatt, kaum Wind. In Travemünde haben wir die Tanks erneut gefüllt Im Hafen Segler Verein "Trave EV Lübeck" haben wir fest gemacht. Der Hafen ist schön, sauber und gepflegt. Das Wetter hatte sich gebessert, wieder Sonne.
07.07.2002 Hafentag. Wir fuhren mit dem Bus nach Lübeck. Der Besuch hat sich gelohnt. Die Stadt ist sehr schön. Das Rathaus, das Holstentor, Kirchen und vieles mehr haben wir besichtigt. Auch ein Besuch in der Schiffergesellschaft sollte nicht fehlen, man muß einfach dort gewesen sein. Lübeck ist eine Reise wert.
Am Mittellandkanal haben wir noch Bad Essen besucht, auch ein schönes Städtchen. Von nun an fuhren wir den bereits beschriebenen Weg rückwärts.
Zusammenfassend kann man sagen, es war eine schöne Reise, wenn auch manchmal ein bißchen viel Wind war, und wir deshalb viele Hafentage einlegen mußten. Am Ende sind wir aber auch glücklich, wieder wohlbehalten und gesund zu Hause angekommen zu sein, mit Gottes Hilfe. Es war eine gute Zeit mit unseren Freunden Karin und Rainer.
Gesamtfahrt: 2283 Km (davon 283 sm auf der Ostsee)
Gefahrene Stunden: 209
Anzahl Schleusen: 30 + 2 x Hebewerk von 38 m
Reisedauer: 49 Tage (fast 7 Wochen)
Benutzte Karten und Bücher:
Karten: Sportschifffahrtskarten Lübecker Bucht - Bornholm - Kopenhagen
Mittellandkanal, Dortmund-Ems-Kanal, Rhein-Herne-Kanal
Rheinhandbuch, Sportschifffahrtskarten Binnen 4
Bücher: Vom Rhein zur Nord- und Ostsee Manfred Fenzl
Führer für den Fahrtensport Deutscher Motor Yacht Verband
Reiseführer Ostsee DSV Verlag
Hafenhandbuch Ostsee Band I B
Törnführer Dänemark 2 Jan Werner
Dänemarks Häfen aus der Luft Delius Klasing
Deutsche Ostsee Küsten aus der Luft Bernt Hoffmann + Harald Schwarzlose
Juli 2002
Renate Hessdörfer