Abenteuer in den Kornaten September 2000
Nachdem uns angesichts des "sonnigen" Sommers noch einmal die Lust auf Segeln bei Sonne und blauem Wasser (also im September: Kroatien) gepackt hatte, begaben wir uns auf die Suche nach einem günstigen Chartertörn für eine Woche. Es sollte eine überschaubare Yacht für 4 Personen sein (Gerhard und Ingeborg waren als Mitsegler fest eingeplant) - kurz gesagt: ein feines Schiffchen für wenig Moneten. Vor dem Segeln stand diesmal das surfen - im Internet, denn da gibts immer einige Schnäppchen zu entdecken. So landeten wir bei der Firma AMS, die für einen angenehmen Preis eine Bavaria 370, Baujahr 1991, anzubieten hatte. Wir griffen zu, bezahlten und fuhren am 15.09.2000, gegen 20.00 Uhr, in Richtung Zadar los. Am 16.09.2000 kamen wir in der Marina Borik an.
Dann kam, was jedem Charterer die Blässe ins Gesicht steigen lässt: auf unserer "Oktopussy" war schon eine andere Crew - mit dem gleichen Chartervertrag in der Hand wie wir. Klärung verschafften wir uns beim Mitarbeiter von AMS vor Ort: in seinen Unterlagen waren wir für die "Oktopussy" vorgesehen, die andere Crew für eine Bavaria 36 mit Namen "Va Bene". Nun war die Crew allerdings schon in unserem Boot eingerichtet, also sahen wir uns die Alternative an und stellten fest, dass dieses Boot (Baujahr 1997) sogar noch viel ansprechender war. Also ergriffen wir die Chance, in einer neueren, noch nicht so verwohnten, Yacht zu segeln. Gesagt, getan - wir nahmen den Schiffsnamen zum Motto : Va Bene.
Nach dem Einrichten sahen wir uns noch ein wenig in der Altstadt von Zadar um und speisten zu Abend. Müde von der langen Anreise und den Aufregungen des Tages fielen wir in unsere Kojen.
Die Crew
Patrick Heedt , Gerhard Roth, Ingeborg Wörner und Kornelia Lingner.
17.09.2000 Zadar - Sali auf Dugi Otok
Nach dem Auslaufen segeln wir den Zadarski-Kanal hoch und lassen Ugljan an Backbord vorbeigleiten. Wir kreuzen hoch am Wind weiter in den Srednji-Kanal; später in den Iski-Kanal und versuchen, über Funk die Lehna-Crew zu erreichen. Trotz eifriger Bemühungen können wir keinen Kontakt aufnehmen, daher experimentieren wir ein wenig am Segeltrimm und erfreuen uns am Wind. Gegen 16.00 Uhr verlässt uns die Sonne; mit ein paar Regentropfen machen wir einen Schlag zwischen den Inseln Mrtonjak und Lavdara auf die Insel Dugi Otok zu . Ingeborg sorgt für ein "tierisches" Erlebnis, sie entdeckt ein paar Delphine, die uns ein kurzes Stück begleiten und für gute Laune an Bord sorgen.
| Kurz vor Sali bergen wir bei leichtem Regen die Segel und gehen in Sali an der Hafenmauer längsseits.Wir warten ab, bis der darauf einsetzende Schauer wieder nachlässt und spazieren um die Bucht herum, wo wir uns dann in einem kleinen Restaurant mit Fleisch direkt vom Grill stärken. Da mittlerweile ein ordentliches Gewitter tobt, lassen wir den Abend gemütlich an Bord ausklingen. | ![]() |
18.09.2000 Sali/Dugi Otok - Lavsa
Wir segeln früh los, an Aba vorbei und nehmen Kurs auf den Zutski-Kanal. Dort frischt gegen Mittag der Wind immer mehr auf, und wir rauschen auf Kreuzkurs den Kanal südöstlich entlang. Auf Steuerborgbug segelt die Va Bene schneller, als auf Backbordbug. Mit 5,7 Knoten gleiten wir übers Wasser. Gegen 14.00 Uhr ändern wir den Kurs in Richtung Murter, drehen jedoch unmittelbar vor dem Land wieder ab und segeln nun Richtung Smokvica. Nachdem wir die Insel gerundet haben, baumen wir die Genua aus und segeln durch den Kornatski-Kanal auf die Insel Lavsa zu. Die See hat ordentlich zugelegt. Dort wollen wir in einer Bucht ankern, die jedoch schon ziemlich voll ist. Es ist ein kniffliges Stück Arbeit, einen geeigneten Platz zwischen all den Booten und Kats zu ergattern; wir benötigen mehrere Ankerversuche, bis wir endlich so liegen, wie es passt. Nach getaner Arbeit erfolgt eine Abkühlung beim Baden, bevor dann Spaghettis auf dem Speiseplan stehen. In dieser Bucht, die den Seglern keinerlei Dienstleistungen bietet, kommt tatsächlich ein kleines Boot vorbei und kassiert Liegeplatzgebühren für den Nationalpark Kornati, in dem wir uns wohl befinden. Und diese Gebühren sind nicht zu verachten; wenigstens können wir sie darauf herunterhandeln, dass sie wohl eine Person an Bord übersehen haben. Aber ärgerlich ist das schon.
Während wir gemütlich essen, hat sich wieder ein heftiges Gewitter zusammengebraut; Blitze zucken vom Himmel. In der Nacht vertreiben wir nach drehendem Wind aufs Land zu.
In Windeseile sind alle an Deck. Die Yacht lässt sich beim erneuten Ankermanöver in Rückwärtsfahrt kaum auf Kurs halten, dennoch liegen wir nach einer halben Stunde wieder ordentlich vor Anker, während um uns herum die anderen Yachten mit denselben Problemen kämpfen wie wir - und alles bei Regen und totaler Finsternis (sieht man mal von den Deckslampen und Taschenlampen auf den Yachten ab). Patrick geht zur Sicherheit bis zum Morgengrauen Ankerwache; diesmal liegen wir jedoch gut.
19.09.2000 Lavsa - Prvic
Heute liegt die Bucht wieder ganz ruhig, das Unwetter hat sich verzogen. An der Va Bene sind keine Schäden auszumachen - von der Grundberührung zeugen nur noch ein paar Kratzer. Daher segeln wir, etwas müde, gleich weiter an der Insel Zakan vorbei. Gegen Mittag muss sogar der Motor herhalten, da der Wind eingeschlafen ist. Wir lassen Smokvica und Kurba Vela auf dem Weg zurück und passieren Samograd (an Backbord), um in der Bucht der Insel Kakan eine Mittagspause einzulegen. Eine Runde schwimmen tut gut; zwei äußerst neugierige Möwen beobachten uns dabei genauestens. Wir verabschieden uns erst von ihnen, nachdem sie ein kleines "Liegegeld" erhalten haben. Nebenbei klarieren wir auch noch die vertörnte Ankerkette auf, bevor wir dann weiter an Kaprije vorbeisegeln. Der Yugo bläst uns an Zmajan und Tijat vorbei, direkt nach Prvic. Dort machen wir mit dem Heck zur Mole fest. Ein schönes Örtchen erschließt sich uns beim Rundgang. Gerhard empfiehlt uns ein Lokal, das von einem Kroaten geleitet wird, der früher in Köln gekellnert hat. Er erkennt ihn auch gleich wieder; vielleicht sind daher die Portionen leckeren Essens so groß ausgefallen?
Nach so einem guten Essen ist nochmals ein Spaziergang fällig, bevor wir wieder an der Matratze horchen.
20.09.2000 Prvic - Mir
Heute müssen wir gleich die Segel reffen, es bläst schon ziemlich heftig beim Ablegen. So rauschen wir auch, ausgerüstet mit Rettungswesten und Lifebelts, an Tijat und Kaprije vorbei. Der Seegang wird immer ungemütlicher bei achterlicher Welle mit Höhen zwischen 5 und 6 Metern. Immer kleiner werden unsere Segel, und doch zischen wir nur so von Welle zu Welle. Der Wind nimmt weiter zu auf 9 Beaufort; das Segeln und die Navigation muss jetzt genau stimmen. Die Einfahrt in die Kornaten weist einige Untiefen auf, die wir nicht gerne genauer kennenlernen möchten. Bei der Navigation an Deck bringe ich Rasmus ein kleines Tribut; bekommt er von uns keinerlei alkoholisches, so erhält er doch wenigstens meine Logbuchseite des heutigen Tages. Der Wind reißt sie mir förmlich aus der Hand, also wird alles noch mal notiert. Gegen 15.00 Uhr laufen wir, nur unter Top und Takel, noch immer 5,2 Knoten an Silo Veli und Aba entlang. Die Bucht Telascica kommt und geht wieder, wir erreichen schließlich die Bucht Mir. Es herrscht immer noch Südwind 7-8 und Schaumkronen tänzeln auf den Wellen umher. Wir bringen zwei Heckleinen zum Land aus und liegen vor Buganker (ungefähr 5 Meter mit dem Heck vom Land weg, nette Felsen ragen da heraus). Den Heckanker haben wir zusätzlich als Reitgewicht ausgebracht. Später gehen wir wieder eine Runde schwimmen (Wasser ist zuerst doch sehr kalt) und greifen erneut zu Spaghettis, um die Leere im Magen zu füllen. Abends nehmen wir lachend zu Kenntnis, dass auch der Wetterbericht mittlerweile aufgewacht ist und nicht mehr von schönstem Segelwetter, sondern von bewegter See spricht - willkommen im Leben !
Nach einer Runde Kartenspielen werden die Ankerwachen für die Nacht eingeteilt, diesmal überrascht uns nichts mehr unvorbereitet.
21.09.2000 Mir - Bozava
Auch heute gehen wir wieder früh ankerauf und segeln zurück, durch die Einfahrt Katina hindurch in den Lavdarski-Kanal. Wir lassen Sali an Backbord passieren und ziehen an Iz vorbei. Heute scheint die Sonne wieder strahlend - herrliches Segelwetter. Gegen Mittag müssen wir erneut die Segel verkleinern (im Iski-Kanal), Rava bleibt an Backbord zurück. Vereinzelt machen die Crewmitglieder kurze Nickerchen, da der Schlaf bisher nicht immer so erholsam war. Kurz vor der Insel Zverinac verdunkelt sich der Himmel rapide, es kommt mal wieder eine Gewitterfront direkt auf uns zu (wir hatten aber gar keine bestellt).Als auch noch der Regen einsetzt, ändern wir unseren Kurs und laufen Bozava auf Dugi Otok an. Hinter einer kleinen Mole ergattern wir eine Mooring; der Regen nimmt weiter zu. Während wir im Inneren des Schiffes gemütlich beisammensitzen, suchen noch weitere Yachten Schutz in Bozava. Die Plätze neben uns sind schnell belegt. So füllt sich auch am Abend das Restaurant am Hafen, das noch mal gut Umsatz machen kann.
22.09.2000 Bozava - Zadar
Nach einem erholsamen Schlaf brechen wir zu unserem letzten Segeltag auf. Kurz nach unserem Auslaufen aus Bozava, gibts mal wieder eine Überraschung: das Großsegel kommt uns entgegen !
Also Segel bergen, nach Zverinac hinüber motoren und dann.......Bootsmannsstuhl einem Praxistest unterziehen. Wir hieven Gerhard mit dem Ding in den Mast hinauf, damit er das Großfall mit nach unten bringen kann - bedauerlicherweise tat es das nicht allein, als das Groß fiel. Wir reparieren den Schäkel und führen das Rollgroß dann wieder in die Mastnut ein - während um uns herum sehr hilfreich ein Wespenschwarm schwirrt. Das ganze Spektakel wird in Bild und Videoaufnahmen festgehalten; schließlich ist nach einer Stunde alles wieder so, wie es sich der Segler wünscht. Segler und Wespen erfreuen sich gleichermaßen an dem folgenden Umtrunk. Dann segeln wir weiter an Zverinac entlang und durch die Durchfahrt bei den Inseln Tun Veli und Mali hindurch. Der Wind ist zwar mittlerweile kühler geworden, aber die Sonne verwöhnt uns noch einmal kräftig. So laufen wir in den Zadarski-Kanal ein, mit Am-Wind-Kurs auf Borik zu. Bevor wir jedoch wieder den Ausgangskurs kreuzen, drehen wir bei und ankern in einer Bucht in der Nähe von Borik. Ein letztes Mal wird geschwommen, gesonnt und relaxt. Die seelischen Batterien werden kräftigst mit Sonnenstrahlen geladen - immerhin wirds in Deutschland schon ungemütlich kühl. Den Rest der Strecke motoren wir in die Marina Borik, wo wir gegen 17.30 Uhr festliegen. Dort treffen wir auch wieder auf die Crew der Oktopussy, die einige Defekte auf ihrer Yacht zu vermelden haben. So riss ihnen der Schalthebel des Motors ab, die Logge war gebrauchsunfähig und weitere kleine Unannehmlichkeiten sorgten auch bei ihnen für Überraschungen während des Törns.
Nachdem wir unsere Erlebnisse ausgetauscht haben, klarieren wir das Boot auf und machen uns stadtfein für den Abschlussabend. Wir speisen wieder in unserem "Stammlokal" und lassen es uns noch mal so richtig gut gehen.
Unser Törn der Abenteuer und drehenden Winde ist nun vorbei !
Zurückgelegte Seemeilen: 166,5
davon unter Segeln: 146,9
Die Yacht
"Va Bene", eine Bavaria 36 Holiday, Baujahr 1997,
11,4 m Länge, Masthöhe 16,9 m, Breite 3,7 m, Tiefgang 1,45 m,
mit Rollgroß und Rollgenua, Rettungsinsel, Echolot, Logge, Kartenplotter, zwei Ankern, Bootsmannsstuhl (wichtig), GPS, elektr. Ankerwinsch, Funk, Peilfernglas, Rettungswesten (die besten, die wir je auf einem Charterschiff vorgefunden haben), Kühlschrank und Kartenmaterial....
Kornelia Lingner