Segeltörn in der Karibik vom 14.01. – 28.01.2000

Den nachfolgenden Bericht haben die Mitglieder Bernd Günther und Klaus Rother zur Verfügung gestellt.

14.01.2000

Abflug um 8.20 von Frankfurt mit Air France. Ankunft nach ca. 10-stündigem Flug um 14.30 Uhr (Ortszeit) in St. Maarten (Niederländ. Antillen).

Nach Ankunft in St. Maarten Weiterfahrt in den französischen Teil der Insel, St. Martin. Der Bootshafen, in welchem unser Boot auf uns wartet, liegt wunderschön hinter einer kleinen Passanhöhe, die steil zum Meer hin abfällt. Der Anblick der in sanftem Bogen ausgebreiteten Bucht mit den weiß leuchtenden Booten auf dem zwischen türkis- und dunkelblau verschwimmenden Atlantik ist überwältigend! Alle Müdigkeit des langen Fluges ist verflogen, wir sind gespannt auf unser Boot und auf das, was uns erwartet.

15.01.2000

Empfang der Bootspapiere und Einweisung in die technische Ausrüstung unseres Bootes. Unser Boot heißt "Mira Star" und ist eine "Sloop" mit 12,68 m Länge, 4,30 m Breite und ca. 14 m Masthöhe. Als Navigationshilfen sind vorhanden: GPS und Auto-Pilot mit Echolot sowie eine UKW-Sendeanlage mit Notrufkanal 16.

Bernd erhält vom Stardust-Betreuer, einem symphatischen jungen Franzosen, alle notwendigen Seekarten mit zusätzlichen Informationen über Untiefen und sonstigen Gefahrenpunkten. Ich tue mein Bestes, um alles zu übersetzen und erkenne sehr schnell, dass ein Segeltörn mehr ist, als nur faul auf einem Boot herumzuliegen und einen Drink nach dem anderen zu konsumieren, und ich bin froh darüber, dass das so ist. Einen Neckermann-Urlaub wollte und wollen wir alle nicht!

Während Bernd und ich mit dem Verdauen aller Informationen beschäftigt sind (unter Zuhilfenahme eines sehr gut schmeckenden "Welcome Drinks"), fahren die anderen mit einem Taxi in die nächste Stadt um Lebensmittel zu besorgen.

Am Abend gemeinsames Abendessen im nahegelegenen Marina-Restaurant. Das Essen ist gut, die Preise akzeptabel, alle sind zufrieden und gespannt auf unser erstes Auslaufen.

16.01.2000

Wir liegen im Hafen Anse Marcel und können wegen stürmischen Wetters (Windstärke 6 – 7) nicht auslaufen.

Beim Wasserfassen erleben wir eine böse Überraschung: als die Tanks nahezu voll sind, dringt Wasser in den Bugteil des Bootes. Wahrscheinlich ist einer der Tanks undicht. Ein Stardust-Mann macht sich im vorderen Teil zu schaffen, zerlegt unser Bett und macht schließlich den Ort des Übels aus: eine undichte Schweißnaht. Mit einer Art Silikon-Kautschuk gelingt es ihm, die Naht dicht zu bekommen.

Nach einigen weiteren kleineren Reparaturen am Großsegel ist unser Boot endlich startklar, ein Auslaufen nach St. Barthelemy (St. Barth) ist aber wegen des stürmischen Wetters heute nicht mehr möglich. Wir wollen lediglich am Nachmittag zu einem kurzen Probesegeln auslaufen.

Herwig und ich nutzen die freie Zeit zu einem Abstecher zum nahegelegenen Hotelstrand. Überall sind noch Spuren des letzten Hurrikans zu sehen: abgeknickte Palmenkronen und schief stehende Laternen entlang des Strandwegs.

Wir baden erst mal ausgiebig in dieser schönen Bucht, kaufen uns nachher einen Drink und sind über die unfreiwillige Verzögerung gar nicht so böse.

Die kurze Probefahrt erfolgt ohne Segelsetzen, dafür ist es zu stürmisch.

Am Abend essen wir an Bord, der Wind hat etwas nachgelassen und wir hoffen inständig, morgen auslaufen zu können!

17.01.2000

Die Nacht war wieder recht stürmisch, am nächsten Morgen schaut unser Skipper zwar recht kritisch zum Himmel, meint aber schließlich, dass wir auslaufen können. Ein weiterer Tag nutzlosen Herumliegens im Hafen würde unseren gesamten Zeitplan gefährden. Also geht´s los, Kurs St. Barth. Die See ist stürmisch, Windstärke 6 – 7, Wellenhöhe 3 – 4 m. Das Boot rollt und stampft ganz gehörig.

Wolfgang macht die Schlingerei zu schaffen, er schlägt sich aber tapfer.

Nach ca. 5 Stunden erreichen wir unser Ziel und gehen in der schönen windgeschützten Bucht "Anse der Columbier" vor Anker. Nachdem das Boot festliegt, wird erst mal die Gegend erkundet, das heißt: Schnorcheln. Ich habe zunächst noch Probleme mit der Dichtheit der Taucherbrille: es dringt immer wieder Wasser ein, ich ziehe sie fester und bekomme sie endlich nach einigem Hin und Her dicht. Ganz ohne Wasserschlucken ging die Sache aber nicht ab! Scheußlich, dieser Geschmack von Salzwasser! Wir bewundern die Artenvielfalt unter Wasser: Doktorfische, Papageien-Fische, Hornhechte, Barsche und unbekannte Arten.

Am Abend essen wir an Bord, Wolfgang und Klaus zaubern in kurzer Zeit ein leckeres Essen auf den Tisch. Zufrieden lassen wir den Tag bei einigen "Carib" oder "Heineken" ausklingen.

18.01.2000

Nach dem gemeinsamen Frühstück an Bord machen wir mit dem Dingi im Hafen von Gustavia fest. Der Name bezieht sich auf den schwedischen König Gustav Adolph von Schweden und rührt aus der wechselvollen Geschichte der Insel, die neben Engländern und Franzosen auch eine Zeitlang von schwedischen Besatzern regiert wurde. Heute gehört die Insel zu Frankreich.

Bernd und ich machen uns gleich auf den Weg zur Hafenmeisterei zum Einklarieren, die anderen besorgen derweil Lebensmittel. Das Einklarieren geht mit französischer Nonchalance vor sich, in ca. 10 Minuten ist alles erledigt. Das war leider nicht immer so, besonders die unter britischer Hoheit stehenden Inseln zeichneten sich in dieser Hinsicht durch übertriebene Pingeligkeit der Zollbeamten aus.

St. Barth besitzt einen sehr schönen Hafen mit farbenfrohen Häusern, die zwar einfach aber gepflegt wirken, mit meist hübschen Vorgärten, wo es neben Bananen auch einige tropische Früchte, z. B. Passionsfrüchte gibt. Die Bevölkerung ist freundlich und lebenslustig, größtenteils weißhäutig: anscheinend haben sich die ersten Siedler wenig oder gar nicht mit den karibischen Ureinwohnern eingelassen.

Am Abend essen wir ausgezeichnet in einem Spezialitätenrestaurant mit kreolischer Küche. Ich wähle Schwertfisch, der ist phantastisch gewürzt, ebenso die Beilagen und es schmeckt hervorragend. Als Nachtisch wird noch ein Eis verdrückt. Nach einigen "Carib" macht sich bei allen die nötige Bettschwere breit und wir tuckern mit dem Dingi wieder zum Boot zurück.

19.01.2000

Heute geht´s wieder los. Der neue Kurs heißt St. Christopher (St. Kitts), Entfernung ca. 42 NM, d. h. ca. 70 km. Der Wind hat etwas nachgelassen, die See präsentiert sicht erstmals relativ ruhig. Bernd rechnet mit etwa 8 Stunden. Bevor wir losmachen, werden erst noch die Seekarten studiert, damit wir im voraus schon wissen, wo wir mit eventuellen Untiefen rechnen müssen. Beim Segelsetzen tue ich mich schwer , ich habe noch nicht den Durchblick um zu wissen, welche Leine wann gelöst und welche gespannt werden muss.

Nach ca. 8 Stunden unter voll gesetzter Besegelung erreichen wir unser Ziel, wobei wir die letzten zwei bis drei Seemeilen nur mit dem Diesel zurücklegen. Wir gehen in der White House Bay vor Anker. Es liegen nur wenige Boote in der Bucht, und wir sind froh, dass wegen der ruhigen See nur ein Anker gesetzt werden muss.

Das Abendessen findet an Bord statt, Klaus und Wolfgang kredenzen uns ein ordentlich gewürztes Gulasch. Das gibt einen gehörigen Durst, dem jedoch dank unseres Biervorrates gut beizukommen ist.

20.01.2000

Nach dem Frühstück segeln wir ein kurzes Stück nach Basseterre, der Hauptstadt der Insel. Der Name rührt wohl noch aus der Zeit, als die Insel unter französischer Hoheit war. Heute befindet sich St. Kitts unter britischer Oberhoheit. Wir ankern in der Bucht von Basseterre und Bernd und ich gehen als erstes mit dem Dingi an Land um einzuklarieren. Wir fragen uns mühsam durch, wo wir einklarieren können und erfahren schließlich, dass sich das Zollamt am anderen Ende des Hafens befindet. Wie man uns weiter sagt, können wir dort auch Wasser fassen. Das Einklarieren im Zollamt geht umständlich vonstatten, wir pendeln ständig zwischen zwei Büros hin und her. Der Zoll-Officer ist ein junges überhebliches Kerlchen, der seinen Job mehr als genau nimmt, will wahrscheinlich schnell befördert werden. Sein Kollege ist da schon hilfsbereiter: obwohl wir mitten in seine wohlverdienten Mittagspause hineinplatzen, fährt er uns mit seinem Auto bis zum Kai und zeigt uns, wo wir Wasser fassen können. Patrick zeigt sich dafür erkenntlich in Form eines schönen Trinkgeldes. Das Wasserfassen ist nicht ganz einfach, da der Anlegeplatz für unser Boot wegen eines ebenfalls anliegenden alten Trawlers nur sehr begrenzt ist. Bernd muss sehr genau manövrieren und als dann Herwig versehentlich das achterseitige Haltetau löst, droht das Boot gegen die Steine der Mole zu laufen! Mit vereinten Kräften gelingt es uns aber das Boot zu halten, wobei uns ein englischer Skipper hilft.

Nach dem Wasserfassen geht´s zurück in die Marina von Basseterre, wo wir nach einem chaotisch verlaufenden Anlegemanöver an Land gehen. In den Straßen der Stadt lastet eine brütende Hitze. Herwig und ich haben beide den selben Gedanken und es dauert nicht lange und wir sitzen vor einem eisgekühlten "Carib" und lassen das quirlige Treiben entspannt an uns vorüberziehen. Bei der Gelegenheit nütze ich die Zeit, um den Akku meiner Video-Kamera aufzuladen, denn am Boot ist dies nicht möglich.

Gegen sechs Uhr treffen wir uns wieder alle beim Boot. Das Ablegen klappt diesmal bedeutend besser als das Anlegen, nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil sich jeder gehörig an Riemen reißt. Schließlich wollen wir ja weder uns noch unseren Skipper ein zweites Mal blamieren!

Am Abend ankern wir wieder in der naheliegenden White House Bay. Mit dem Dingi machen wir noch einen Landabstecher und finden am Strand jede Menge, zum Teil sehr schöne, unbeschädigte Conch-Muscheln. Bernd schießt wieder mal den Vogel ab und findet eine wunderschöne braun-weiß gezeichnete, seltene Muschel.

Ein stimmungsvoller Sonnenuntergang beschließt diesen ereignisreichen und etwas hektisch verlaufenden Tag.

21.01.2000

Nach dem Frühstück geht´s erst mal zum Schnorcheln, dabei bin ich wieder fasziniert von der Artenvielfalt. Dann beginnt wieder der Ernst des Lebens: wir laufen aus, neuer Kurs: Antigua, ca. 50 NM, Bernd schätzt ca. 10 Stunden. Antigua ist eine souveräne Insel. Amtssprache ist Englisch. Nach dem Segelsetzen bestimmt Bernd den Kurs, stellt den Autopiloten ein und das war´s fürs Erste. Ich trage ca. alle Stunden unsere aktuelle Position in die Seekarte ein und Bernd ermittelt daraus eventuelle Kurskorrekturen.

Während unser Skatclub Karten spielt, machen es sich Patrick und ich auf Deck bequem. Gegen 17 Uhr erreichen wir wie geplant Jolly Harbour, eine sehr schöne neue Hotel- und FeWo-Anlage mit einer sehr gepflegten Marina. Am Abend lassen wir den erholsamen Tag bei einem guten Essen an Bord ausklingen.

22.01.2000

Wieder das alte Spiel. Erst die Arbeit, sprich Einklarieren und dann das Spiel, sprich Baden. Der Strand von Jolly Harbour macht seinem Namen alle Ehre, das Baden am Morgen ist phantastisch.

Nach der Rückkehr ins Boot erleben wir eine böse Überraschung: Klaus Rother ist die steile Bootstreppe hinuntergefallen und liegt bewegungslos am Boden. Wir haben alle einen gehörigen Schreck, endlich bewegt er sich wieder und rappelt sich mit Hilfe von Wolfgang und Patrick wieder auf. Er klagt über starke Schmerzen im Rippenbereich und kriegt zeitweise kaum Luft. Wahrscheinlich hat er sich eine oder mehrere Rippen gebrochen! Wir beschließen, erst mal abzuwarten und erledigen zuerst wichtige Dinge wie Einklarieren, Wasser- und Treibstoff-Fassen sowie das Boot außen vom gröbsten Schmutz zu befreien.

Gegen Mittag laufen wir aus, Kurs Englisch Harbour, dem größten und bedeutendsten Hafen von Antiqua, ein geschichtsträchtiger Ort. Der Hafen ist eine der wenigen hurrikansicheren Plätze und diente dem berühmten englischen Admiral Nelson als Flottenstützpunkt. Wir segeln zurück dicht unter Land und bemerken einige traumhaft schöne, einsame Buchten mit weißen Sandstränden und Kokospalmen. Gegen 17 Uhr gehen wir in Englisch Harbour vor Anker. Der Gesundheitszustand von Klaus hat sich nicht gebessert, im Gegenteil. Ein zufällig anwesender englischer Arzt im Stardust-Office erklärt sich bereit, Klaus zu untersuchen. Er tippt auf Rippenbruch, eine sichere Diagnose ist aber nur mittels Röntgen möglich. Deshalb beschließen wir, dass Wolfgang und ich mit ihm per Taxi ins Hospital von St. John fahren. Dort haben sie Klaus komplett durchgecheckt, sogar eine CT von ihm gemacht. Ergebnis (nach gut vier Stunden!): Mindestens eine Rippe ist gebrochen, die beiden indischen Ärzte sind sich aber nicht ganz einig und möchten Klaus zur Beobachtung dabehalten. Klaus lehnt dies kategorisch ab und macht mich auf einige gemächlich die Zimmerwand hinaufspazierenden Kakerlaken aufmerksam. Nach einigem Hin- und Her-Palavern mit den Ärzten muss Klaus schließlich eine Erklärung unterschreiben, dass er auf eigenes Risiko die Klinik verlässt.

Unser Taxifahrer hat die ganze Zeit über gut gelaunt gewartet, wahrscheinlich war es eine seiner rentabelsten Fahrten in der letzten Zeit. Klaus tut uns sehr leid, zusätzlich zu seinen Schmerzen muss er einsehen, dass mit dieser Diagnose sein Segeltörn praktisch zu Ende ist.

23.01.2000

Wir verbringen fast den ganzen Tag damit, einen vorzeitigen Heimflug für Klaus zu organisieren. Die Stardust-Betreuer helfen uns so gut sie können. Nach einigen Stunden erfahren wir, es bestünde die Möglichkeit eines Fluges von Antigua über Paris nach Frankfurt, allerdings wird eine Bescheinigung der Flugtauglichkeit von Klaus verlangt. Da wir diese Bescheinigung vom Hospital in St. John mit Sicherheit nicht bekommen, gäbe es nur noch die Möglichkeit, dass Klaus den kommenden Nachttörn nach Guadeloupe mitmacht und er dann von Guadeloupe aus als normaler Passagier den Heimflug bucht.

Klaus hat praktisch keine andere Wahl, obwohl ihm und uns nicht wohl ist bei dem Gedanken an die vielleicht stürmische nächtliche Überfahrt. Der Wetterbericht klingt zwar nicht beunruhigend, immerhin ist darin aber auch von stürmischen Böen die Rede. Vorher müssen wir noch einklarieren, wobei sich das Zollpersonal durch schikanöses Verhalten auszeichnet.

Wir verbringen die Zeit bis zum Auslaufen damit, uns die historischen Hafengebäude aus der Zeit Nelsons anzusehen und statten auch dem kleinen Museum einen Besuch ab. Vor den liebevoll restaurierten Gebäuden sind Schautafeln mit Texterläuterungen angebracht, anhand derer man sich genauestens über Zweck und Bedeutung der Einrichtungen informieren kann.

Gegen 17.30 Uhr laufen wir aus. Kurs Ande Deshaies auf Guadeloupe. Vor uns liegt eine Strecke von etwa 50 NM. Bernd rechnet mit 9 – 10 Stunden. Nachdem wir die letzten Bojen der Hafenbucht passiert haben, setzten wir das Großsegel und die Genua. Die letzten Sonnenstrahlen tauchen die Insel mit seinen zauberhaften Buchten in ein warmes Licht, wogegen mich der Anblick des Wassers im Gegenlicht der untergehenden Sonne an eine wogende Masse aus geschmolzenen Blei erinnert.

Kurz nach Sonnenuntergang bemerken wir, dass der Wind zunimmt. Wir machen ordentlich Fahrt und hoffen nur, dass es nicht noch stürmischer wird. Bernd ordnet vorsichtshalber schon jetzt das Anlegen der Lifebelts an, dann teilt er Rudergänger und Navigationsteam ein und kündigt an, dass er sich jetzt zum Pennen in seine Koje begibt. Sollte etwas Besonderes vorfallen, so sollen wir ihn wecken. Sprach´s und war auch schon in seiner Koje verschwunden. Ja, so ist er halt, unser Skipper: immer besorgt um Wohl und Wehe seiner von ihm über alles geliebten Crew!

Es dauert nicht allzu lange, bis ich ihn unsanft aus seinen Träumen in die raue Wirklichkeit entreißen muss, "rau" im wahrsten Sinne des Wortes bezogen auf den Seegang. Es ist ungefähr 22 Uhr, der Wind hat deutlich zugenommen, die Wellen bilden Schaumkronen, unser Boot taucht mit der rechten Reeling nach jeder größeren Welle unter Wasser! Wolfgang und ich sind die einzigen auf Deck, Herwig ist seekrank und liegt in seiner Koje. Klaus hält sich tapfer, obwohl das Rollen des Bootes ihm bestimmt manchmal höllische Schmerzen bereitet. Ich wecke Bernd, weil ich mir nicht mehr sicher bin, ob unser Kurs noch stimmt. Wir haben die letzten zwei Stunden enorm Fahrt gemacht, Bernd möchte am liebsten das Großsegel einholen. Daran ist jedoch bei diesem Seegang nicht zu denken, zumal mir als Anfänger die Routine für ein solches Manöver fehlt. Bernd entschließt sich für eine Kursänderung, wodurch das Boot etwas aus dem Wind geht. Das Boot wird sofort ruhiger, da die Wellen vorwiegend von hinten kommen und das seitliche Rollen entfällt. Alle halbe Stunde lese ich unsere Position ab, wir segeln jetzt in einem weiten Bogen, aber angenehmer als vorher.

24.01.2000

Um ca. 3.00 Uhr morgens laufen wir schließlich in der Bucht von Anse Deshaies ein. Wir ankern in der Nähe von einigen weiteren Booten und legen uns zwar geschafft, aber froh in die Koje. Ich bin gerade so halbwegs eingeduselt, als jemand an die Bordwand klopft und etwas Unverständliches uns zuruft. Bernd ist sofort hellwach. Wir treiben ab, der eine Anker hält offensichtlich nicht, wir müssen einen zweiten Anker setzen. Auch das noch! Zusammen mit Patrick machen wir uns an die Arbeit und hauen uns schließlich gegen 5.30 Uhr nochmals in die Koje, um wenigstens noch ein paar Stunden Schlaf zu erwischen.

Wir pennen bis 8.30 Uhr, danach wird erst mal ordentlich gefrühstückt. Nachdem unsere Lebensgeister wieder zurückgekehrt sind, fahren Bernd sowie Patrick und Wolfgang mit unserem leidgeprüften Patienten mit dem Taxi nach Point a Pitre zu Stardust, um einen Heimflug für Klaus zu arrangieren. Herwig und ich verabschieden uns von Klaus und bleiben dann an Bord zurück. Gegen 15 Uhr gehen wir mit dem Dingi an Land, bummeln ein wenig und lassen uns in einer der vielen kleinen Kneipen zu einem Drink nieder. Mittlerweile sind die anderen aus Point a Pitre zurück. Der Heimflug mit Klaus ging anstandslos über die Bühne, Klaus konnte noch am gleichen Tag – wenn auch spätabends – seinen Heimflug antreten.

25.01.2000

Nach einem gemütlichen und ausführlichen Frühstück lichten wir die Anker und laufen aus zu den südlich von Guadeloupe gelegenen Iles de Saintes, genau zur Insel Terre de Haut. Nach gut 3 Stunden erreichen wir die Insel und gehen in einer wunderschönen Bucht mit Palmen und Sandstrand vor Anker. Nach dem Festmachen erkunden wir zunächst die Unterwasserwelt und sind wieder beeindruckt von der Artenvielfalt. Bei der Fahrt in den Hafen mit dem Dinghi begleiten uns Fregattvögel, Kormorane und Pelikane. Auffallend sind die vielen kleinen und wendigen Katamarane, es sieht fast nach einer kleinen Regatta aus.

In dem gepflegten und farbenfrohen Ort herrscht ein reges Treiben, entlang der Hauptstraße sind viele Marktstände aufgebaut, die von den zahlreichen Touristen gut besucht werden.

Am Abend starten Patrick, Bernd und ich nochmals zu einem Landgang . In einer kleinen Kneipe mit kreolischer Küche essen wir hervorragend gegrillte Dorade. Der Heimweg wird etwas abenteuerlich, schließlich landen wir aber alle unversehrt am Dinghi-Anlegeplatz in unserer Bucht.

26.01.2000

Wir verbringen den Tag äußerst erholsam mit Baden, Schnorcheln, Essen, Trinken, Lesen und Schlafen.

27.01.2000

Unser Törn nähert sich seinem Ende. Nach dem Frühstück gehen wir nochmals ausführlich zum Baden und Schnorcheln. Patrick holt ein paar schöne Conch-Muscheln vom Meeresgrund. Am Nachmittag lichten wir die Anker und nehmen Kurs auf Point a Pitre. Wir haben schönen Wind, ca. Stärke 5. Jeder genießt noch die vor uns liegenden 25 NM. Gegen 17 Uhr laufen wir im Hafen von Point a Pitre ein. Stardust liegt ganz am hinteren Ende der Hafenbucht und wir tuckern ganz gemächlich im Licht der untergehenden Sonne an den vielen vor Anker liegenden Yachten und Booten vorbei.

28.01.2000

Heute heißt es die Koffer packen, um ca. 23 Uhr geht unser Flieger. Nach dem Frühstück erledigen Bernd und ich den Papierkram im Stardust-Büro. Die Übergabe des Bootes erfolgt reibungslos. Am späten Vormittag ist alles erledigt und es stellt sich für uns die Frage, wie wir am besten die Zeit bis zum Abend verbringen sollen. Bernd schlägt vor, uns ein Taxi zu mieten, das uns zunächst zum Flughafen bringt, wo wir schon einchecken können und damit den Großteil unseres Gepäckes los werden. Am Nachmittag wollen wir mit dem Taxi eine Sightseeing-Tour ins Landesinnere unternehmen. Alle sind einverstanden und nachdem wir mit dem Taxifahrer einen Festpreis ausgehandelt haben, geht´s los.

Unterwegs treffen wir immer wieder auf Spuren von Nelson und Kolumbus, aber auch auf Zeugen der Verwüstung durch den letzten Hurrikan. Wir fahren ein Stück die Küste entlang und biegen dann ab ins Bergland zu den Wasserfällen beim Vulkan. Ab dem Parkplatz geht´s zu Fuß weiter durch den Regenwald, allerdings auf sehr guten Wegen. Nach einer guten Stunde sind wir am ersten Wasserfall angelangt, der aus einer Höhe von rund 80 m herunterstürzt. Einen Abstecher zum zweiten Wasserfall lassen wir bleiben, als wir erfahren, dass es bis dahin noch gut zwei Stunden sind. Wieder am Parkplatz angekommen, braucht jeder erst mal was zu trinken nach der Wanderung in diesem Treibhausklima.

Danach geht´s zum Flughafen. Die Kontrollen sind nervig und wir sind froh, als wir endlich im Flieger sind.

H. Peter Czerny

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