Große Antillen und Golf von Mexiko
Besatzung:
Eheleute Matthias und Monika Praßer (Bootseigner)
Michael und Wolfgang Giere (Gäste)
Segelboot: Halberg Rassy 43
Emeritierungstörn durch Nord-Karibik und Golf von Mexiko
Über dieses phantastische Erlebnis habe ich ja nach der Heimkunft schon im SCM berichtet. Der Bildbericht und ein Tagebuch der Reise stehen am Ende zur Verfügung. Deswegen kann ich mich hier kurz fassen:
Die Möglichkeit, auf einer Halberg Rassy 43 unter Leitung eines sehr segelerfahrenen Ehepaares von Puerto Rico in der Karibik bis nach Houston in Texas mitzusegeln, kam gerade rechtzeitig zu meinem Abschied vom aktiven Dienst. Es war Hochseesegeln "von Feinsten".
Es begann am 8. Februar 2003 mit einer Ausweisung: Wenn man mit dem Boot auf US-amerikanischem Territorium anlandet, braucht man ein Visum. Das wussten weder der Skipper, noch mein Bruder und ich. Wir beide waren von Frankfurt nach San Juan auf Puerto Rico geflogen und wurden am Flughafen vom Skipperehepaar abgeholt. Nur hierzu hatte er die Erlaubnis bekommen, am nächsten Tage mussten wir gleich US-Territorium verlassen, durften keine anderen Häfen auf Puerto Rico mehr anlaufen.
Ergo ging es ohne Eingewöhnung gleich auf den ersten großen Schlag nach Boca Chica in der Dominikanischen Republik auf der Insel Hispaniola. Dort (in der Hauptstadt Santo Domingo) versuchten wir vergeblich ein Visum zu bekommen. "Erster Termin für ein Interview im Konsulat im April ...". Die Bemühungen um Papier-Seekarten als backup für die elektronischen sind ein noch größerer Krimi, nachzulesen im Tagebuch. Sie kosteten aber so viel Zeit, dass wir uns den Besuch des anderen Staates auf Hispaniola, Haiti, schenken mussten. Wir segelten an Haiti vorbei gleich nach Jamaika.
An Jamaikas Nordküste legten wir zunächst in Port Antonio an und fuhren gleich am nächsten Tag quer über die Insel durch den tropischen Urwald nach Kingston, um die Visen für die USA zu bekommen. Tatsächlich gelang uns das. Am zweiten Tag kamen wir abends zurück zum Boot mit wunderschönen, 10 Jahre gültigen US-Visa. Kingston ist eine ziemlich charakterlose Großstadt (enttäuschend gegenüber der Erwartung, die ich durch das wunderschöne Lied von Belafonte hatte). Von Port Antonio sind wir nach Montego Bay an der Nordwestecke von Jamaika gesegelt. Dort gab es für die Touristen von den vielen Kreuzfahrtschiffen eine Empfangshalle, die fast an den Frankfurter Flughafen erinnert hätte, wären da nicht die vielen Geschäfte mit den landestypischen Zutaten und das tropische Klima gewesen.
Von Jamaika nach Cienfuegos auf Cuba war der schönste Törn: Mal nicht platt vor dem Passat sondern mit Backstagsbrise und entsprechend schräg geschnittener Dünung. Traumschön, wie hinter uns Jamaika versank, wundervoll, wie nächtens Lichter von Cuba auftauchten. Überhaupt diese Nächte: Schöne Sterne, auch viele, die man bei uns nicht kennt, Kreuz des Südens z.B. Es wurde wahrlich nicht langweilig während der drei Nachtwachen. (Wacheinteilung 18-22, 22-2, 2-6, 6-12, 12-18 Uhr, 2 Crews a 2 Personen abwechselnd)
Die Einreise nach Cuba war etwas langwieriger, als in Jamaika, aber alle Offiziere (es gibt viele) waren sehr zuvorkommend und freundlich. Vorteilhaft war die Beratung durch einen Deutschen, der die Charterbasis betreut. Ohne ihn hätten wir wohl weniger Interessantes erlebt. Cienfuegos ist eine mittelgroße Stadt am Ende der riesengroßen Jaguar-Lagune neben der Schweinebucht. Eindruckvoll das Nebeneinander von uralten, dicken und chromglitzernden Ami-Schlitten, Rikschas und Eselskarren.
Die nächste Etappe ging zu einem typischen Cuba vorgelagerten Korallenatoll, Cayo Largo, mit schwieriger Einfahrt. Man kann verstehen, dass es dort ein richtiges Touristenhotel mit Tauchkursen und "all inclusive"-Komfort gab. Gegen ein Trinkgeld ließen die Ober uns am Büffet teilnehmen ...
Der letzte Aufenthalt in der Karibik war auf der Isla de la Juventud (früher Isla de Pinhos), der Schatzinsel von Stevenson. Dort fuhren wir mit dem Bus recht abenteuerlich und interessant quer über die Insel in die Hauptstadt zum Bummeln und Verproviantieren. Ersteres war erholsam, letzteres gar nicht so einfach, weil die Mangelwirtschaft z.B. nicht vorsieht, dass man mehrere Brote auf einmal kaufen will...
Nun folgte der große Schlag um die Westspitze von Kuba herum direkt bis in die Bucht von Galveston bis kurz vor Houston: 808 sm insgesamt, davon fast 800 sm geradeaus, in 6 Tagen und Nächten vom 10. bis zum 16. März, genau 73 Stunden. Leider meist unter Motor, weil der Passat bleierner Windstille gewichen war. Schnurgerade ging es nach einigen Tagen bei leichter Brise auch durch die riesigen Bohrinselfelder, erst ganz zum Schluss musste der Kurs etwas angepasst werden. Die enge Einfahrt in die Galveston Bay bei Nacht, Kälte und heftigem Regen(!) war ein Glanzstück unseres Skipperehepaares. Es benutzte als brilliant eingespieltes Team alle technischen Hilfen (Radar, GPS, Navigations-PC, Kartenplotter, Autopilot, Echolot usw) souverän und sehr effektiv. Sorgfältig wurde Tonne nach Tonne abgehakt. Sicherer Landfall in der Kemah Boardwalk Marina am frühen Morgen --- Ende eines wunderschönen Törns: 2005 sm zeigte das Log, davon ca. 65% gesegelt. Hinzu kommen etwa 75 sm, die uns der sehr kräftige Yucatan-Strom im Golf von Mexiko geschoben hat.
Von Houston ging es am 19./20. März im Fluge heimwärts ...
Karibik-Bildbericht (lange Ladezeit!!) Karibik-Tagebuch