Es muss nicht immer ein Männertörn sein!
Elba - Korsika 1. - 8.10.2000

Die Crew:
Skipper: Winfried Eider
1 WO Jens Eider
Steuerbordwache: Winfried Eider, Ingrid Powel, Helga Heberling, Bernd Dahinten
Backbordwache: Jens Eider, Bernhard Heberling, Gaby Eider, Traudl Dahinten

Bei der Hochzeitsfeier meiner Nichte Eva erklärte mir diese, dass sie ihrem Mann nun das Segeln beibringen möchte und fragte, ob wir nicht mal zusammen einen Törn machen könnten.

So wurde die Idee unseres Ehepaar-Törns geboren.
Ich charterte ein komfortables Schiff in einem interessanten Revier und Eva wurde inzwischen schwanger. Da das Schiff nun mal gechartert war, suchte ich nun eine Mannschaft, wo die Damen schon eher an Enkelkinder oder Haustiere denken als an weitere eigene Kinder.

So bestand unsere neue Crew nun aus 3 männlichen Clubmitgliedern über 50 mit ihren Ehefrauen. Da das 4., mein Sohn Jens, erst 18 Jahre war, gingen wir auf Nummer Sicher und flogen als seine Partnerin ein Jahrgangsmitglied von mir (auch über 50) aus Portland, USA, ein. Nun stand einer schönen und sicheren Reise nichts mehr im Wege.
Wir trafen uns alle, natürlich außer Ingrid aus Amerika, im SCM, um unseren Törn zu planen. Es ging um die An- und Abreise, wer die Dosenbratwurst und die selbstgemachte Marmelade mitbringt, und natürlich auch um die Wacheinteilung, die Backschaft und die Aufgabenverteilung an Bord wie Ankergast, Maschinist, Springer usw.

Unser Schiff war die "Frl. Mayer V", eine Bavaria 46, Baujahr 2000, mit 10 Kojen in 4 Kabinen, also ideal für 8 Personen. Für die Bequemlichkeit ein Kühlschrank, Gasherd mit 2 Flammen, ein Backofen, Radio mit CD + Kassettendeck, 2 Toiletten, eine Dusche unter und eine auf Deck, Biminitop und alles, was man für einen schönen Törn mit Damen braucht. elba3.jpg (39632 Byte)

 

Für die Seemannschaft Lattenrollgroß 38 qm, Rollgenua 63 qm, Blister 139 qm, GPS, UKW, Radar, Kartenplotter, Navtex, kompl. Windinstrumente, ausreichendes Kartenmaterial und Handbücher. Und was die meisten Charterer wundern wird –alles Versprochene war auch da, auf dem neuesten Stand, vollständig und funktionsfähig. Deshalb chartere ich auch schon seit über 20 Jahren beim SC Elba, Patrice Buechi.

Unser Chartervertrag ging von Sonntag, 01.10. bis Sonntag, 08.10.2000. Wir fuhren am Samstag, 30.09. mit zwei PKW ab Mainz los, Ingrid kam per Flieger vorher aus USA via Frankfurt hier an. Über die Schweiz ging es über den Gotthard mit vorherigem Abstecher über Furkapass und Rhonegletscher nach Sestri Levante in der Bucht von Rapallo. Hier hatten wir 4 Zimmer bestellt. Man kann die Anreise auch an einem Tag leicht machen (1.100 km), aber wenn man Nachts durchsegeln will, sollte man ausgeschlafen sein.

Am Sonntag ging es auf die letzten 200 km, mit Abstecher am schiefen Turm von Pisa, nach Piombino, danach mit der Fähre nach Portoferraio auf Elba.

Der Empfang von Patrice war wie gewohnt herzlich. Bernhard H. und Jens ließen sich die Elektronik erklären, Bernd D. die Maschine und ich schaute zu. Nach einer Sicherheitseinweisung der Mannschaft (Schwimmwesten, Lifebelts, Seenotraketen, Feuerlöscher etc.) gingen wir noch mal an Land zum Abendessen. Kurz vor Mitternacht liefen wir aus.
Der Wetterbericht sagte für den nächsten Tag um Korsika Wind und um Elba Regen voraus – also nichts wie weg!

elba1.jpg (71336 Byte) Nach der obligatorischen Einweisung ging die Freiwache in die Koje. Die Wache erlebte ein seltenes Wetter: über uns 1000 Sterne, vor, hinter und neben uns Blitze und Gewitter. Und das bei ruhiger See und ohne Wind. Im Morgengrauen vor Cap Corse kam der Wind und wir setzen die Segel. Um 14.00 Uhr machten wir in St. Florent auf Korsika fest.

Die Mannschaft erkundete die hübsche Stadt und der Skipper holte den Schlaf der letzten Nacht nach. Am Abend gab es vorzügliche korsische Fischsuppe mit viel Knoblauch, von der Bernd D. allein mindestens 2 Liter verdrückt hat.

Am Dienstag ging es mit mäßigem Wind zurück Richtung Cap Corse. Bei der Insel Giraglia war dann nachmittags Lustsegeln angesagt mit interessanten Küstenformationen und leichten Winden. Am Abend fest in Macinaggio mit einem tollen Fischessen und viel Wein.

Mittwochs ging unser Kurs ENE zur ehemaligen Gefängnisinsel Capraia mit Wind zwischen 3 und 5 aus Nord, also ein angenehmer Anlieger. Nach ausgiebigem Landgang durch die Wildnis gab es am Abend wieder ein vorzügliches Menü mit Fisch satt und Wein.

 

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Am Donnerstagmorgen gab es im Hafen das obligatorische Ankersalatmanöver. Wir hatten am Abend vorher wohlweislich unseren Liegeplatz und Anker so positioniert, dass wir davon nicht betroffen waren und ohne Probleme auslaufen konnten.

Bei Winden NNE 2 liefen wir unter Groß und knallrotem Blister allen anderen Seglern davon Richtung Marciana Marina auf Elba. Kurz vorm Hafen suchten wir uns eine kleine Bucht und ankerten, um unsere Badeanzüge auszuprobieren. Um eine Sorgleine mit Rettungsring war die ganze Mannschaft im Wasser bis auf eine Sicherungsperson. Abends wieder Landgang mit Bauchvollschlagen. elba4.jpg (43251 Byte)

 

Am Freitag war eigentlich gar kein Wetter, trübe, kein Wind und zum Schluss Regen, dass man den Bugkorb nicht mehr sehen konnte. Um 15.00 Uhr war alles vorbei und wir in Porto Azzurro.

Was macht man mit einen ¼ Tag? Wir liehen uns Motorroller, um die Insel zu erkunden. Dazu muss man sagen, in Amerika gibt es keine Kurven! Darum musste Ingrid ihren Roller nach 10 Minuten mit leichten Blessuren zum Vermieter zurückschieben Nach Rückkehr der Rundfahrt das obligatorische Abendmenü an Land.

Am Samstagmorgen war in Porto Azzurro die Bootstankstelle frei – also sofort den Dieseltank füllen und zurücksegeln nach Portoferraio, wo die Tankstelle immer zu oder mit einer langen Warteschlange besetzt ist.

Am letzten Tag hatten wir schönen Wind zwischen 3 und 5 aus Nord, was mit einem Reff und viel Platz auf der Kreuz einen schönen Abschluss unseres Törns versprach.

Nach problemloser Rückgabe buchten wir die erste Fähre am Sonntagmorgen, um die Heimreise anzutreten. Für eine spannende Überfahrt sorgte die TV Übertragung der Formel I, bei der Michael Schumacher  zeitgleich mit dem Anlegemanöver seinen Weltmeistertitel besiegelte. Bis Milano fuhren wir gemeinsam, denn Gaby, Jens, Ingrid und ich verbrachten noch 3 schöne Tage am Lago Maggiore und im Verzasca Tal, der Rest der Crew musste leider gleich zurück in die Heimat.

Alles in allem war es eine angenehme Reise mit schönen Erinnerungen!

 Winfried Eider

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