Törn vom 30.09. bis 06.10.2006
Elba – Korsika - Capraia
9 Personen, 210 Meilen, 143,1 unter Segel = 68,14%, 66,9 unter Motor = 31,85%
In den Wintermonaten 2005 wurde wie immer auf den Clubversammlungen des SCM von der nächsten Segelsaison und eventuellen Törns geträumt. Meine Frau Gabriele sagte zu Hause: „Du kannst soviel Törnsegeln wie du willst, aber ich will mit!“. Also war vorgegeben, es musste ein Ehepaartörn werden. Klaus Schmenger meinte, seine Frau würde da bestimmt auch mitfahren, so waren wir also schon mal zu viert.
Bei einem Besuch von Ingrid Powell in Kostheim meinte sie, sie würde auch ihren Mann mitbringen, also waren wir schon 6. In einer Kostheimer Straußwirtschaft trafen wir zufällig Helmut und Annelie, ein Ehepaar, das wir schon ewig kennen, welches aber keine Ahnung vom Segeln hatte. Aber der Kostheimer Wein macht’s halt, so waren wir 8.
Es wurde unsere altbekannte Frl. Mayer auf Elba gechartert und das neue Jahr konnte beginnen.
Im Sommer 2006 machte Klaus mit seiner Frau Hausboot-Urlaub auf den franz. Kanälen. Am letzten Tag stürzte seine Frau auf dem Steg und riss sich die Bänder am Knie ab. Also waren wir wieder 7. Was nun? Eine Reservefrau hatte Klaus nicht. Es musste ein Ersatzmann her. Wir hatten gleich zwei. Wilfried, ein Freund von Klaus aus Sulzheim und Jens, unser Sohn. Wilfried hatte keine Ahnung vom Segeln, Jens stand vor Klausuren und wusste nicht, wann das abgeschlossen sein würde. Wir entschieden uns für Wilfried und waren wieder 8. Die letzte Prüfung von Jens war 10 Tage vor der Abreise nach Elba. Jetzt waren wir auf einmal zu Neunt, Jens fuhr als Mann für alle Fälle und schlief in der Messe.
Die Anreise erfolgte am Anfang mit 3 Autos. Da Gaby und ich nach dem Törn noch einige Tage im Schwarzwald bleiben wollten, wurde Ingrids Auto mit unserem Wandergepäck beim „Ochsen“ geparkt. Ab Freiburg ging es mit 2 Autos weiter durch die Schweiz mit Zugverladung durch den Lötschberg-Tunnel, über den Simplon-Pass nach Stresa am Lago Maggiore. Nach einer Pause am See mit einer Vesper ging es weiter
| über Genua nach Sestri Levante zur ersten Übernachtung. Wir hatten 3 Zimmer reserviert und konnten uns so schon mal an das „Zusammenleben“ gewöhnen. Mit Spaziergang am Hafen, einem Aperitif in einer Straßenbar und anschließendem Abendessen konnte unser Segelurlaub beginnen. |
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Um anschließend Gaby im Hotel ein schnarchfreies Einschlafen zu gönnen, nahmen Klaus und ich unseren „Absacker“ im Hotelflur auf einer Couch. Gaby konnte einschlafen, das restliche Hotel nicht.
Am Samstag erfolgte die Weiterfahrt nach Pisa mit den obligatorischen Fotos vom Schiefen Turm und Dom.
Um 15.30 Uhr legte unsere Fähre in Piombino in Richtung Portoferraio ab. Dort angekommen, übernahmen Jens und ich das Schiff von Carolin (Partnerin von Patrice Buechi), Klaus ließ sich die Eletronik erklären. Der Rest der Mannschaft ging Proviant einkaufen
Um 19.00 Uhr bekam die gesamte Mannschaft eine Sicherheitseinweisung, Seenotrettungs- mittel, Lifefbelt, Schwimmwesten, die Funktion der Leuchtboje, Wantenschneider usw. Nach einem Abendessen an einer etwas zugigen Ecke in Portoferraio war um 23.45 Uhr Ablegen um sich an das Bordleben zu gewöhnen.
Nach 2,5 Meilen waren wir an der Insel Scoglietto vorbei und unser Kurs ging WNW Richtung Nordspitze Korsika. Der Wind war uns nicht gerade gut gesonnen, denn er war gar nicht da. So motorte Frl. Mayer erstmal Richtung Cap Corse. Nach ca. 10 Meilen hatten wir das Leuchtfeuer Polveraia querab und wir konnten das Feuer von P. del Ferraione auf Capraia ausmachen. Die Nacht wurde nicht langweilig, denn es gab Abertausende von Sternen zu sehen und viele hellerleuchtete Schiffe, denen man ausweichen musste. Gegen 5.00 Uhr tauchte das Feuer Giraglia auf der gleichnamigen Insel nördlich vom Cap Corse auf und wir konnten für die nächsten 25 Meilen unseren Kurs danach richten.
Gegen 6.00 Uhr kam auch endlich der Wind und es gab noch einen schönen ersten Segeltag mit Sonnenaufgang über Cap Corse und einer ersten Pause zum Morgenbad in einer ca. 700 m tiefen Badewanne.
Um 9.50 Uhr gab es das erste Mann-über-Bord-Manöver zur Übung, was noch mit Hilfe der Maschine gefahren wurde. Das gleiche gegen 15.00 Uhr, aber dann unter Segel und da das alles sehr gut klappte, konnten wir Frl. Mayer um 16.00 Uhr im Hafen von St. Florent nach 72 Meilen festmachen.
St. Florent ist ein sehr schönes Städtchen an der Nordwestküste von Korsika. Wir hatten einen schönen Nachmittag mit Cappuccino und Pastis, während die Einwohner sich mit dem ortsüblichen Boulespiel vergnügten.
Am Abend gab es ein Menü mit dem wohl besten Preis-Leistungs-Verhältnis der Reise. Es war ein orttypisches Lokal, wir wurden von Mutter und Tochter bedient und waren am Ende nach Fischsuppe, Nudeln, Fisch, Pastete, Käse und Kuchen äußerst zufrieden. Auf dem Nachhauseweg suchte Wilfried noch für das Frühstück am nächsten Tag einen Bäcker; er hatte immer Angst, er müsste auf dem Schiff verhungern.
Am Montag morgen wollten wir um die Nordspitze Korsikas Richtung Bastia ca. 50 Meilen (Luftlinie über die Berge 4 Meilen). Dort wehte der Wind aber aus SSO. Da Bastia aber vom Cap Corse aus im Süden liegt, planten wir um, in NO-Richtung nach Capraia. Es wurde ein sehr schöner Segeltag mit Wind zwischen 3 und 4. Gegen 17.30 Uhr fest im Hafen von Capraia auf der gleichnamigen Insel, 47 Meilen. Abends kochten Annelie und Jens, um die Bordkasse zu schonen, Nudeln mit einer Soße aus Bordmitteln. Am nächsten Tag gab es den Rest der Nudeln für die, die es wollten, zum Frühstück. Am Dienstag starteten wir den nächsten Versuch nach Bastia zu segem.
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Der Wind kam immer noch aus SSO, also für Bastia optimal (SW). Es war ein schöner Anlieger mit Wind zwischen 5 und 6, gelegentlich auch etwas mehr, zwei Reffs im Groß, zwei in der Genua, Lifebelts und einigen grünen Gesichtern. |
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Abends festmachen nach 43,3 Meilen im alten Fischerhafen von Bastia und Abendessen an Land. Es soll Menschen geben, die sagen, in Frankreich könne man gut Essen, ich glaube die waren alle noch nie in Bastia. |
Am Mittwoch kam der Wind aus OSO, im Hafen zeigen die Windinstrumente 8 – 9 Windstärke und wir mussten nach Osten. Also legten wir einen Hafentag ein und fuhren, mit Rücksicht auf die grünen Gesichter von gestern, mit der Schmalspurbahn ins Landesinnere. Die Fahrt durch die Berge war ein Erlebnis und der Besuch in einem Weingut,
| wo Klaus, Wilfried, Jens und ich einige Weine probierten und unsere Bordvorräte auffüllten, ein Genuss. |
Donnerstag, der Wind hat sich gelegt, es geht zurück nach Elba. Mit SSO 2 – 3 Richtung Marciana Marina. Gegen 14.00 Uhr herrschte auf einmal große Aufregung an Bord: zwei sehr große Gegenstände Steuerbord voraus im Wasser. Beim näher kommen sahen wir es waren zwei Wale, die ihres Weges zogen.
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Am Abend legte Jens Frl. Mayer mit Muring und zwei Heckleinen am Steg des Yachtclub von Marciana Marina
an, 37 Meilen. Am Abend wieder Essen an Land. Beim nachhause Weg passten Mainzer Füße, Pariser Schuhe und italienischer Steg nicht zusammen. So holten Helmut und ich mit Hilfe eines Seglers vom Nachbarschiff Annelie aus dem Hafenbecken. |
m Freitag hatten wir noch eine kurze Strecke zur Werft Edilnautica, dem Liegeplatz von Frl. Mayer, vor uns. Unterbrochen von einer Badepause im Golfo della Biodola bei 8 m Wasser und gutem Ankergrund. Auf dem letzten Teil unserer Tagesetappe konnten es sich unsere sportlichen Regattasegler nicht nehmen lassen, den knallroten 140 m² großen Spinnacker zu setzen und sich von diesem in die Bucht von Portoferraio ziehen zu lassen.
Zum Schluss noch Tanken in Portoferraio mit einem Zwischenfall durch einen sehr unhöflichen Motorbootfahrer, der sich vor alle wartenden Segler drängen wollte. Der Angriff wurde aber mit gemeinsamen Manövern abgewendet. Abends nach 210 Meilen noch Schiffsrückgabe bei Carolin, Seesack packen und Abendessen an Land.
Am Samstag morgen wurden die zwei Autos mit unserem Gepäck vollgeladen. Die Betonung liegt auf „voll“, richtig voll. Man glaubt gar nicht, was 9 Personen alles für Zeug mitschleppen können. Die Hälfte hätte glatt zu Hause bleiben können. Wir hatten allerdings auch richtiges Glück mit dem Wetter. Bis jetzt kein Tropfen Regen und nur schöne warme Temperaturen.
Also setzten wir uns auf den restlichen Platz in den Autos und fuhren zur Fähre. Nach einem kleinen Frühstück und der Überfahrt nach Piombino ging unsere Reise weiter nach Riomaggiore in den Cinque Terre.
Bei der Ankunft hatten wir unseren ersten Regen und der war ganz ordentlich. Die Autos standen auf den falschen Parkplätzen, unsere gemieteten Plätze waren 20 m nebenan und das Gepäck war platschnass. Der Regen dauerte genau so lange, wie wir zu unseren reservierten Wohnungen brauchten. Am gleichen Tag machten wir noch einen Spaziergang über die Via dell’ Amore ins benachbarte Manarola.
Am Abend gab es dann unsere letzte Pizza in Italien.
Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Zug nach Corniglia und wanderten über einen sehr schönen, aber auch anstrengenden Weg direkt an der Steilküste mit wunderschönen Ausblicken vorbei an Olivenbäumen und Kakteen, nach Vernazza.
Da es Sonntag war, herrschte dort ein Betrieb schlimmer als in der Drosselgasse. Jens und Wilfried wollten die ganze Strecke zurücklaufen, der Rest fuhr mit der Bahn weiter In den letzten Ort der Cinque Terre, nach Monterosso. Dort angekommen wurden wir am Hafen von einer Bersaglieri-Kapelle empfangen und anschließend sang auch noch ein Männerchor ein Ständchen. Nach Ortsbesichtigung und Einkaufsbummel ging es mit einem Linienschiff nach Riomaggiore zurück, wo uns Jens und Wilfried schon erwarteten.
| Das Ein- und Aussteigen bei diesen Schiffen ist für Ungeübte ein kleines Abenteuer. Da es wegen der Steilküste keine Anlegemöglichkeit gibt, fährt das Schiff mit dem Bug bis auf 2,5 – 3 m an einen Felsen, bindet sich mit einer Vorleine an einem Poller fest und hält sich durch rückwärts laufende Maschine von den Felsen frei. Danach wird eine Gangway über eine Rolle am Bug zu einem Podest an Land geschoben und auf geht’s. Das ganze funktioniert aber nur bis Windstärke 4. Darüber hinaus wird wegen Wellengang die Schifffahrt eingestellt. |
Abends gab es in einem schönen Fischlokal unser Abschiedsessen.
Am Montag fuhren wir über Parma, Mailand, Gotthard-Paß zum Vierwaldstättersee, wo wir uns trennten. Helmut, Annelie, Klaus und Wilfried fuhren direkt nach Hause. Howard, Ingrid, Jens, Gaby und ich fuhren über Schaffhausen mit Besuch des Rheinfalls nach Neukirch im Schwarzwald, wo schon Ingrids Auto stand.
Beim Abendessen im „Hirschen“ gab es endlich keine Pizza, keine Nudeln, sondern nach Howards Meinung „richtiges Essen“ und deutsches Bier und badischen Wein.
Am Montag morgen wanderten wir fünf, begleitet vom Läuten der Kuhglocken, an schönen alten Bauernhöfen vorbei zum Balzerherrgott und weiter zur Hexenlochmühle. Im „Ochsen“ zurück, packten Ingrid, Howard und Jens ihre Taschen und fuhren nach Hause. Gaby und ich blieben bis Ende der Woche noch zur “Erholung“ im Schwarzwald.
Frl. Mayer ist eine Bavaria 46 mit Liegeplatz in Portoferraio auf Elba. Verchartert wird sie über Patrice Buechi und ist ein top ausgerüstetes Schiff. Das Segelrevier um Elba ist sehr vielseitig und bietet die Möglichkeit, bei fast jedem Wind einen Törn zu planen.
Winfried Eider, Skipper