Mit der Sturmbraut von Heiligenhafen nach Oslo

 

Am 21.07.1999, 13.00 Uhr ist es endlich soweit. Wir starten in Gustavsburg, das Schiff

auf dem Trailer mit Ziel Heiligenhafen. Nach 670 km Autobahnfahrt erreichen wir

Heiligenhafen gegen 22.00 Uhr. Am kommenden Morgen hängt unser Schiff um 09.00 Uhr

bereits am Kranhaken. Nachdem der Mast steht, Wasser und Lebensmittel gebunkert

wurden, sind wir um 14.00 Uhr seeklar. Leider spielt das Wetter nicht so richtig mit.

Der Wind weht mit 8 Bft. aus West. Wir verschieben das Auslaufen auf den nächsten Tag.

Auch am folgenden Tag weht es mit unverminderter Stärke, so daß wir noch einen

weiteren Tag abwarten. Glücklicherweise finden in Heiligenhafen gerade die"Hafenfest-Tage"

statt - für Abwechselung ist also gesorgt.

Am 24.07.1999 laufen wir endlich unter kleinem Segel bei westlichem Wind um 5 bis 6 Bft.

und sonnigem Wetter mit Kurs auf Gedser aus. Der nächste Tag führt uns bei Südwestwind

zwischen 3 und 5 Bft. nach Klintholm. Der Hafen ist überfüllt, wir liegen am Päckchen.

Das nächste Etappenziel unserer Reise ist Kopenhagen. Leider nimmt der Wind immer mehr

ab und dreht auf Nordwest. Wir beschließen noch einen Zwischenstopp in dem kleinen

Städtchen Rödvig, bevor wir am 27.07.1999 Kopenhagen anlaufen. Wir steuern, wie schon

einige Male zuvor, den Lange Linie Hafen an. Den nächsten Tag nutzen wir bei hoch-

sommerlichen Temperaturen zum Bummel durch Kopenhagens Altstadt.

Als wir uns von Kopenhagen verabschieden, verabschiedet sich auch der Wind von uns.

Bei schwachem Wind aus Nord motoren wir durch den ™resund. Am Nordende des Sunds

frischt der Wind wieder etwas auf und dreht auf Nordwest. Wir setzen Segel. Nach

schier endlosen Kreuzschlägen erreichen wir am Abend Möllen, unseren ersten Hafen in

Schweden. Auch dieser Hafen ist heillos überfüllt, mit Mühe finden wir einen Platz als

6. im Päckchen.

Der kommende Tag beginnt warm, jedoch ohne Wind. Pünktlich zur Sherry-Time kommt Wind

auf. Leider aus der falschen Richtung, so daß wieder Kreuzen angesagt ist. Nachmittags

laufen wir Skallen an, von wo wir am nächsten Tag bei schwachem Südwind nach Varberg

aufbrechen.

Unseren Aufenthalt in Varberg nutzen wir zum Bunkern von Wasser und Diesel und

ergänzen unsere Lebensmittelvorräte. Bevor wir am nächsten Morgen auslaufen, versorgt

uns der freundliche Stegnachbar mit frischen Brötchen.

An den beiden folgenden Tagen herrscht Flaute. Auch das dem Neptun dargebrachte Opfer

in Form von Rotwein bringt keine Besserung. Wir motoren durch die herrliche

Schärenlandschaft südlich von Göteborg. Unterwegs sehen wir zahlreiche Seehunde und

Schweinswale. Dann endlich wieder Wind. Er ist zwar nicht stark, aber er schiebt uns

langsam zwischen den Schären hindurch. Nachmittags erreichen wir den kleinen

Fischerort Rönnängs. Als wir nach einem langen Fußmarsch vom Einkaufen zurückkommen,

legt ein Fischerboot neben uns an. Der Fischer verkauft uns einen riesigen Dorsch für

30 SKr (ca. 7 DM). Also heißt es, Fleisch in den Kühlschrank und Fisch in die Pfanne.

Die folgenden beiden Tage führen uns bei schwachem Südwest-Wind weiter nach

Gullholmen und Hunnebostrand. Dann erfolgt ein Wetterumschwung. Es ist bewölkt, der

Wind hat aufgefrischt und auf Nordwest gedreht. Gegen Mittag legen wir an einem

kleinen Steg in der Längesjö-Bucht an.

Unser nächstes Ziel ist Strömstadt, das wir nach einem schönen Segeltag bei gutem Wind

am frühen Nachmittag erreichen. Das Segeln nur mit der Genua erweist sich im engen

Schärenwasser als ideal. Wir gelangen jetzt in norwegische Hoheitsgewässer und

übernachten in einer Bucht in Hankö-Bucht.

Am nächsten Morgen regnet es. Nach einem ausgiebigen Frühstück hat sich das Wetter

gebessert, wir laufen aus. Der Wind frischt immer mehr auf. Bei 6 - 7 Bft. aus

Nord-Ost bildet sich eine kurze steile Welle. Wir beschließen, Vallö am Eingang des

Oslofjordes anzulaufen. Der Wind hat am nächsten Tag zwar abgenommen, kommt aber aus

Nord. Wieder heißt es kreuzen. Die See ist kurz und steil, wir machen kaum Höhe. Gegen

Mittag schläft der Wind ein, so dass wir unser Tagesziel Dröbag nur unter Motor

erreichen. Auch weiterhin ist der Wind gegen uns. Bei Sonnenschein machen wir die

Sturmbraut um 13.45 Uhr an unserem Ziel dem Yachthafen an der Aker Brygge in Oslo

fest.

Hier endet für einen Teil der Mannschaft die Reise.

Nach zwei Tagen, die mit Stadtbesichtigung und Museumsbesuchen ausgefüllt waren,

bringt der Skipper Ehefrau und Sohn zum Flughafen und holt die neuen Crew-Mitglieder

Emil und Peter vom Bahnhof ab.

Die neue Crew beginnt die Reise mit einem kurzen Stadtbummel, bevor es heißt, Leinen

los in Richtung Süden. Die Fahrt durch den Oslofjord wird bei schwachem Wind teils

unter Segel, teils unter Motor zurückgelegt.

Am Dienstag, den 17.08.1999 laufen wir Larvik an. Hier werden noch einmal Wasser,

Diesel und Lebensmittel gebunkert, bevor wir zum Sprung über den Skagerrak starten.

Der Wetterbericht verspricht eine ruhige Überfahrt. Der Wind ist schwach bis mäßig und

erreicht am Nachmittag ca. 4 Bft. Wie jeden Tag hören wir auch heute um 14.00 Uhr den

Wetterbericht der Deutschen Welle. Die Wetterfrösche haben ihre Meinung vom Vortag

grundlegend geändert und kündigen für die späten Abendstunden Starkwind und Sturm an.

Bei wolkenlosem Himmel und bei auf 1005 mbar feststehendem Barometer fällt es uns

schwer, diese Voraussage zu glauben. Trotzdem bergen wir vor der Nacht das Großsegel.

Der Wetterbericht behält recht und der Wind frischt immer mehr auf, bis er am

kommenden Tag 8 Bft. erreicht. Zum Glück stimmt jedoch die Richtung Nord-Ost. Die hohe

steile See erschwert das Steuern ungemein. Das Schiff läuft mehrfach aus dem Ruder.

Obwohl die Segelfläche auf 3fach gereffte Genua reduziert ist, wird die Mannschaft

aufs Äußerste gefordert.

Nach 24 Stunden Schwerwetter-Segeln laufen wir Thyborön, die Einfahrt zum Limfjord an.

Nach einem verspäteten Abendessen fallen wir todmüde in die Kojen.

Den Limfjord passieren wir teils segelnd, teils mit Motor fahrend in drei Tagen. In

Aalborg verpassen wir eine Großsegler-Parade um wenige Stunden. Von Hals am

Ost-Ausgang des Limfjordes aus segeln wir bei guten Wind aus Nordwest nach Grena.

Weiter führt uns unsere Reise über Sejerö nach Kerteminde auf Fünen.

Im Großen Belt steht ein Strom von drei Knoten gegen uns. Bei dieser Strömung und Wind

gegenan ist an ein Fortkommen nicht zu denken. Also motoren wir. Gegen 02.00 Uhr

erreichen wir Spoidsberg auf Langeland mit dem letzten Tropfen Diesel im Tank.

Am nächsten Morgen brechen wir zur letzten Etappe unserer Reise auf. An diesem Tag

werden wir von Rassmus richtig verwöhnt. Es ist einer unserer schönsten Segeltage.

Freitag, 27.08.1999, 19 Uhr, wir laufen in Heiligenhafen ein, dem Ausgangspunkt und

damit auch dem Ende unserer Reise.

Bevor die Sturmbraut am Montag wieder am Haken hängt, bleibt uns noch ein Wochenende,

das wir zum Ausräumen des Schiffes und zu einem Besuch des Harley-Treffens in Burg auf

Fehmarn nutzen.

Nach 5 1/2 Wochen auf See rollt das Gespann wieder Richtung Ginsheim-Gustavsburg.

Barbara Klöppinger

Die Crew:
Harald Klöppinger, Schiffsführer
Barbara Klöppinger, Crew (bis 14.08.1999)
Michael Klöppinger, Crew (bis 14.08.1999)
Peter Köppen, Crew (ab 14.08.1999)
Emil Stieber, Crew (ab 14.08.1999)

Das Schiff:
First 26, Länge 8,20 m, Breite 2,80 m, Verdrängung ca.
2,5 Tonnen, Segelfläche 37 qm

Sicherheitsausrüstung:
Fünf Automatik-Schwimmwesten, zwei Feststoff-Schwimmwesten,
vier Lifebelts, Rettungskragen, Schlauchboot, UKW-Funk,
Seenot-Pistole mit Munition

Navigatorische Ausrüstung:
Seekarten aller Fahrtgebiete sowie die Küstenhandbücher
Dänemark, Norwegen und Schweden, Decca-Navigator, GPS,
Steuerkompaß, Echolot, Log, Handpeilkompaß