476 Jahre geballte Manneskraft auf „Frl. Mayer“
oder
Ein sportlicher Altherrentörn

Da aus beruflichen Gründen unser geplanter Ehepaartörn zu den Pontinischen Inseln und zur Amalfi-Küste auf nächstes Jahr verschoben werden musste, war der Herbst frei für einen Männertörn..
Die Idee entstand auf einem Clubabend des SCMsp und wurde sofort in einen detaillierten Plan umgesetzt. Das Revier sollte das toskanische Archipel sein. Es ist abwechslungsreich und mit dem Auto als günstigstem Verkehrsmittel leicht zu erreichen. Das Charterunternehmen von Patrice Buechi und Carolin Thum war mir seit vielen Jahren bekannt.
Um die An- und Abreise interessant zu gestalten, planten wir 2 Übernachtungen auf der Hinfahrt in der Toskana, Siena und San Gimignano, auf der Rückreise 2 Nächte am Lago Maggiore mit dem Verzascatal. Kurz vor der Abreise musste die Toskana gestrichen werden – Roger bekam am Freitag keinen Urlaub. So fuhren wir, 8 „junge“ Männer, zusammen 476 Jahre alt, in 2 PKW’s am 02.10.2004 über Basel und Thunersee nach Kandersteg und ließen uns nach Autoverladung durch den Lötschbergtunnel nach Goppenstein fahren. Weiter ging es über den Simplon-Pass nach Stresa und auf der Autobahn weiter bis Sestri Levante im Golf von Rapallo. Nach dem ersten gemeinsamen Abend bei Fisch, Nudeln, Cozze (Miesmuscheln) und einigen Gläsern Wein ging es am Sonntagmorgen nach Verproviantierung im Supermarkt nach Piombino auf der gebuchten Fähre nach Elba.
Im Hafen Begrüßung durch Patrice und Carolin, Einweisung und Einräumen des Schiffes. Als endlich alles verstaut war, erklärte ich der Mannschaft die Bedienung der Toiletten, Seeventile, jeder bekam eine Schwimmweste, einen Lifebelt, wo sind die Seenotraketen, Rettungsinsel, Wantenschneider usw. Nachdem Frl. Mayer, eine Bavaria 46, endlich in Besitz genommen war, ging es zum Abendessen nach Portoferraio.
|
Zurück an Bord Auslaufen am 04.10.2004 um 00.00 Uhr, wir motorten bei 0 Wind 0-1 ruhige See um den östlichen Teil von Elba, dann nach Süden. Die Freiwache suchte sich einen ruhigen Schlafplatz, was für einige nicht einfach war. Wer Achtern neben der Maschine schlief, verzog sich ins Vorschiff und die Diskussion begann: „Die Maschine 10 Umdrehungen weniger – nein, lieber 20 mehr, ist besser“. Aber gegen 05.00 Uhr sahen wir das Leuchtfeuer Formische di Grosseto, der Wind drehte auf NO 2, Groß und Genua wurden gesetzt und es kehrte endlich Ruhe auf dem Schiff ein. Unterwegs meinte Helmut: „Da schnauft etwas wie ein Gaul“. Es entpuppte sich als ein Wal, der sich die Lunge trocken blies. Gegen 10.00 Uhr schlief der Wind ein, die Segel wurden eingerollt, ein Fender an einer Leine über Bord geworfen. Bei angenehmen Luft- und Wassertemperaturen ging die Mannschaft schwimmen. Die Wasssertiefe betrug etwa 500 m, was für unser Schwimmass Peter zu tief war. Er ist halt das Mainzer Hallenbad mit 3 m gewöhnt. Zum Ausgleich zog er sich in die Kombüse zurück und fabrizierte einen vorzüglichen Salat aus Bohnen, Tomaten und Zwiebeln. Anschließend gab es noch einen gehaltvollen Cocktail à la Peter. |
![]() |
Um 12.00 Uhr setzte der Wind wieder ein und wir machten um 15.45 Uhr in Giglio Marina fest. Unterwegs gab es noch eine „Boje über Bord“ - Übung, welche erfolgreich gemeistert wurde. Giglio ist eine kleine Insel im Süden der Toskana mit einem kleinen Fischerhafen, sehr ruhig, soll aber in der Saison immer überfüllt sein.
Dienstag, 05.10.2004, Auslaufen um 9.30 Uhr mit Groß und Genua segelnd nach NW. Um 11.00 Uhr setzten wir den 139 m² großen roten Blister, was uns einen Knoten mehr Fahrt brachte. Um 14.00 Uhr sichteten wir eine Luftmatratze etwa 20 Meilen von der nächsten Küste entfernt, vom Besitzer keine Spur. Hoffentlich wurde sie vom Wind hergeblasen ohne das einer drauf lag. Um 18.00 Uhr Anlegen in Porto Azzurro auf Elba. Beim Einlaufen in den Hafen von Porto Azzurro sieht man auf der Steuerbordseite über der Stadt eine Festungsähnliche Anlage. Dies ist das größte Gefängnis von Italien. Touristen bezahlen für so einen Ausblick auf die Insel und das Meer viel Geld, die Insassen dort werden dazu verurteilt. Früher hieß das Städtchen Porto Longone, aber in ganz Italien verband man diesen Namen mit dem Gefängnis. Um den Tourismus anzukurbeln, nannte ein cleverer Bürgermeister einfach den Ort nach der azurblauen See und schon war das Image aufgemöbelt.
Am Mittwoch, den 06.10.2004 , (Ablegen um 9.45 Uhr bei Ost 3- 4, See 2) kreuzten wir aus der Bucht heraus, danach ging es mit halbem Wind nach Norden die Ostküste von Elba entlang, vorbei an den alten aufgegebenen Minenanlagen bis zur Insel Palmaiola. Dann Kurs NW Richtung Capraia. Unterwegs gab es wieder einen Salat à la Peter mit Paprika, Tomaten, Fenchel und viel Zwiebeln. Nachdem wir Helmut, unseren Zwiebelhasser, überzeugten, dass alles Weiße im Salat nur Fenchel wäre, schmeckte er ihm besonders gut. Um 17.15 Uhr waren wir fest im einzigen Hafen der kleinen Insel. In den letzten Jahren hat sich dort einiges für die Segler getan. Man macht jetzt an Moorrings fest und es gibt Wasser, Strom und Duschgelegenheiten. Der Name Capraia stammt von den Wildziegen ab, welche die Insel einst bevölkerten.
Am Donnerstag, 07.10.2004, Ablegen um 9.50 Uhr, Wind aus SO, erst 4, dann 5 auffrischend, See 4, es war ein schöner Segeltag. Peters Cocktail gab es mittlerweile aus Wolfgangs Teekanne mit nur einem Glas für die gesamte Mannschaft, denn der Versuch, mit 8 gefüllten Gläsern an Deck zu kommen, war bei den heftigen Schiffsbewegungen hoffnungslos. Um 15.30 Uhr machten wir im alten Stadthafen von Bastia auf der NO-Seite von Korsika fest. Es folgten ein Stadtrundgang und abends ein großes Essen mit „Soupe de Poisson“, gegrilltem Fisch, anschließend Käse und reichlich Wein.
|
Freitag, 08.10.2004, Auslaufen um 9.00 Uhr, bei SO 4-5, See 3, Richtung Elba. Da unsere Zeit bald zu Ende war, mussten wir uns dem Ausgangshafen langsam nähern. Nach gut 4 Stunden waren wir in der Abdeckung von Elba. Die See war ruhig, aber der Wind frischte auf 6 auf. Es war ein tolles Erlebnis, „Frl.Mayer“ bei ruhiger See und einem ordentlichen Wind über das Mittelmeer zu jagen. Nach einem richtigen Lustsegel-Tag machten wir gegen 16.00 Uhr im Fischerhafen Marciana Marina fest.
|
![]() |
![]() |
Am Samstag, 09.10.2004, ging es nun um 10.00 Uhr auf unsere letzte und kürzeste Etappe. Bei SSO 4 an der Nordseite von Elba bis in die Bucht von Portoferraio, wo wir nach einigen Segelschlägen an der Tankstelle neben den Fischern den Dieseltank zur Schiffsübergabe auffüllten. Anschließend ankerten wir in der Bucht, um bis zur Schiffsübergabe noch etwas zu relaxen. |
Zum Schluss noch etwas über das Schiff: „Frl. Mayer“ ist eine Bavaria 46, top ausgerüstet und in gutem Zustand. Der Platz auf dem Schiff reichte für uns 8 ältere Herren bequem aus. Alle versprochenen Ausrüstungsgegenstände waren vorhanden und funktionierten auch, was aus Erfahrung nicht überall der Fall ist. Von allen Teilen war eine detaillierte Gebrauchsanweisung in deutscher Sprache an Bord, die Übergabe und Rücknahme war korrekt und problemlos.
Die Heimreise traten wir am Sonntag, den 10.10.2004, mit der Fähre nach Piombino an. Wir blieben noch 2 Tage am Lago Maggiore mit einem Abstecher ins Verzasca-Tal. Weiter ging es dann über den St. Gotthard und Oberalp-Pass zum Rheinursprung, den Vorderrhein entlang bis zum Bodensee und dann zurück nach Mainz.
Die Mannschaft setzte sich wie folgt
zusammen:
Skipper Winfried Eider, Stellvertreter Wolfgang Beisner, Roland Grunwald, Helmut
Handel, Peter Treusch, Klaus Schmenger, Hans-Richard Moers, Wolf-Rüdiger
Strassburger, alles Mitglieder des Segelclub Mainspitze.
Es war ein sehr harmonischer Segeltörn von 8 nicht mehr ganz jungen Männern, von denen jeder sein Bestes zum Gelingen der Reise beitrug. Besonders die Häppchen und Cocktails von Peter und Wolfgang`s Gitarren-und Gesangseinlagen trugen zur guten Laune bei.
Vielleicht können wir so einen Törn noch einmal machen, bevor wir zusammen 500 Jahre alt sind.
Euer Skipper Winfried Eider
Gesegelte Distanzen in Nautischen Meilen:
| Segel | Motor | gesamt | |
| 04.10.04 Portoferraio – Giglio | 19,5 | 27 | 46,5 |
| 05.10.04 Giglio – Porto Azzurro | 11,5 | 19,5 | 31,0 |
| 06.10.04 Porto Azzurro – Capraia | 35,0 | 3,0 | 38,0 |
| 07.10.04 Capraia – Bastia | 35,0 | 0,5 | 35,5 |
| 08.10.04 Bastia – Marciana Marina | 42,0 | 0,3 | 42,3 |
| 09.10.04 Marciana Marina – Portoferraio | 11,5 | 0,3 | 11,8 |
| Gesamt | 154,5 | 50,6 | 205,1 |
| 75,4 % | 24,6 % | 100 % |
Fahrtstrecke (über Land) Mainz – Elba: 1.050 km.
Unsere Strecke hin- und zurück über alle Pässe, Lago Maggiore, Rheinquelle, Rheinverlauf bis zum Bodensee: 2.648 km.