Reisebericht S.Y. "ANITA" / DJWB von Manfred Ernst

Nachdem auf der Jahrestagung der Segelkameradschaft Ostsee im November 2000 die Reisen für das Jahr 2001 vergeben worden waren und ich meine Crew zusammen shangheit hatte, konnte die Planung und Vorbereitung beginnen. Die Planung der Reisen liegt bei uns beim Skipper und seinen Wachführern. Die Vorbereitung des Schiffes und seiner Ausrüstung wird dagegen von vielen fleißigen Händen - genannt die Rentner-Gang -während des Winters übernommen.

Nach Abschätzen der zu erwartenden Windverhältnisse im Mai und Juni entschieden wir uns in der Ostsee nach Norden zu gehen. Als Ziel war Marstrand oder Oslo vorgesehen. Da das Durchschnittsalter der Crew doch recht hoch war, wollten wir keine Gewaltreise, sondern eine den Möglichkeiten angemessene sportliche Reise mit ein paar schönen Zwischenhäfen machen. Das leibliche Wohl sollte dabei auch nicht zu kurz kommen, was schon durch unseren bewährten Smut Werner, der früher als Koch auf einem Islandfänger fuhr, sichergestellt war. Er stellte mit seiner Assistentin Margitta die Verpflegungsplanung und den Einkaufsplan auf, da wir praktisch alles zu Beginn der Reise bunkern. Nur Frischfleisch und Gemüse wird unterwegs nachgekauft. Nach den Anforderungen für die ANITA - Wassertiefe und Manöverierraum - legten wir mögliche Zwischenhäfen fest. Um das Kartenmaterial brauchten wir uns nicht zu kümmern, da wir uns im Gebiet des Standard-Kartensatzes der ANITA bewegten, der von der Rentnergang korrigiert und auf dem neuesten Stand gehalten wird.

Auf einem Crewtreffen im Rheingau wurde dann Wacheinteilung und Spezialaufgaben festgelegt, der Kojenplan wurde festgelegt und der Smut erstellte den Getränke-Einkaufsplan nach den Wünschen der Crew.

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Nachhdem alles durchgeplant war , kam dann bald der Tag, an dem wir uns in Laboe trafen. Am 21.Mai war die Crew komplett an Bord, der Proviant war eingekauft, die Crew hatte ihre Kojen bezogen. Am Nachmittag noch die große Sicherheitseinweisung .Die Rettungswesten und Lifebelts wurden ausgegeben. Die Rettungsmittel, Feuerlöscher, Pumpen und Ventile wurden vorgeführt. Anschließend noch der Ausflug in die Masten, um das stehende Gut zu überprüfen. Nach dem Abendessen dann der erste "Kameradschaftsabend" in der Messe.

Am 22. Mai morgens kam dann noch ein heiß ersehntes Ersatzteil für unser Log/Lot. Es wurde eingebaut und um 14.00 Uhr machten wir seeklar und legten um 14.45 Uhr ab. Bei nur leichten Winden liefen wir Richtung Langeland Belt. Am nächsten Tag bei immer noch leichten Winden passierten wir die Grosse Belt Brücke und liefen auf Samsö zu, wo wir um 20.00 Uhr im Hafen von Kolby Kas festmachten. Da nach Meinug der Crew Kolby Kas so tot war wie ein Friedhof wurde ein Kameradschaftsabend beschlossen. Hiebei gingen bei den Diskussionen, hauptsächlich über Politik, die Meinungen hoch und es herrschte totales Chaos. Also wurde, um Ordnung in die Dinge zu bringen, Reiner zum " Moderator" ernannt und siehe da, von da an verliefen alle folgenden Abende mit ruhigen sachlichen Diskussionen, die jedem etwas brachten.

Am nächsten Mittag legten wir wieder ab und segelten bei schönstem W 4 die 30 Meilen nach Ebeltoft. Dort erwartete uns ein einmaliges Ereignis. In Ebeltoft diesem wunderschönen alten Städtchen fand ein internationales Nachtwächtertreffen statt. Nachtwächter aus der ganzen Welt hatten sich hier getroffen. Sie gingen durch den Ort in ihren alten Uniformen, sangen alleine oder in Gruppen und bevölkerten die Kneipen und die ANITA Crew mitten drin. Doch so gut es uns hier gefiel, wir mussten weiter. Am nächsten Mittag. legten wir ab und liefen bei leichtem bis mittlerem Wind ins Kattegat. Spät am Abend des 26. Mai machten wir in Ökerö in den Schären fest. Ökerö liegt auf der gleichnamigen Insel in den Schären vor Göteborg und ist eigentlich ein Vorort von Göteborg. Wir bleiben hier einen Tag und warten, daß der Wind von West auf Südwest dreht, denn mit West kommen wir ohne Maschine nicht durch die Schären nach Marstrand.

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Doch der Wind tut uns den Gefallen nicht und da bei der SKO die Regel gilt 1/3 der Zeit für die Hinreise und 2/3 für die Rückreise müssen wir früh am 28. Mai losmachen und Richtung Süden gehen. Bei Westwind, zunehmend von 2 auf 6, laufen wir Richtung Kopenhagen. In der Nacht zum 29. Mai laufen wir in den Sund, drehen nachts bis zum Hell werden bei und machen morgens um 05.00 Uhr im Ringhafen an der Langelinie fest.

Hier wollen wir einen Tag liegen bleiben, um Kopenhagen unsicher zu machen. Teile der Crew kommen erst spät in der Nacht von den "Sehenswürdigkeiten" Kopenhagens wieder an Bord. Trotzdem geht es früh um 05.00 weiter Richtung Süd bei leichten Winden aus SW, also Kreuzen mit einem langen Bein. In der nächsten Nacht kurz nach 2 Uhr machen wir im Fischereihafen Klintholm fest. Am Abend großes Schifferessen mit Fisch satt.

Wir haben nur noch 2-3 Tage um nach Laboe zu kommen. Der Wetterbericht kündigt uns von von SW über S nach NW drehende Winde langsam zunehmend auf 8 an. ANITA kann so etwas ab, zumal der Seegang in diesen Gewässern nie so hoch wie in der Nordsee wird. Also legen wir ab und kreuzen nach Süden. Am frühen Abend runden wir Gedser Rev bei Süd 6. Das Groß ist schon geborgen. Langsam geht der Wind mit schweren Schauerboen bis 8 auf NW. Wir tragen nur noch die große Sturmfock und den Besan. Die ganze Nacht kreuzen wir bei erbärmlicher Sicht den Fehmarn Sund auf. Unter dieser Besegelung kann man das kaum mehr Kreuzen nennen, eher ein Hin und Hersegeln. Ich hänge bei dieser Sicht die ganze Nacht am Radar, um nicht dem hier sehr starken Längsverkehr in die Quere zu kommen. Frühmorgens sind wir durch den Fehmarn Sund durch. Der Sturm läßt langsam nach und um 14.00 Uhr können wir bei NW 4-5 das Groß wieder setzen. Unerwartet kommt nachmittags noch eine Stunde Flaute, doch dann geht es mit einem glatten Nord mit 8 Knoten Richtung Laboe, wo wir um 21.00 festmachen.

Eine schöne, von den unterschiedlichsten Wetterbedingungen geprägte Reise ist zu Ende. Die Crew hat sich trotz ihres doch recht hohen Alters erstklassig gehalten. Ein Crewmitglied meinte:"Ich habe noch nie auf einer Reise so viel gelacht und so viel Spaß gehabt".

Und alle wollen nächstes Jahr wieder dabei sein.

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Ich kann nur einen herzlichen Dank an meine Super Oldie Crew sagen

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Daten der S.Y. "ANITA" / DJWB

 

  Bauwerft: Abeking & Rasmussen, Lemwerder bei Bremen
Baujahr und Nummer: 1938 Nr.: 3241
Registrierung: SSR des AG. Lübeck Nr.: 1678
Unterscheidungszeichen: DJWB
Segelnummer: 12 G 2
Rumpfmaterial: Tabasco - Mahagoni
Länge über Alles: 21,57 Meter
Länge in der Wasserlinie: 14,00 Meter
Breite: 3,60 Meter
Tiefgang: 2,73 Meter
Verdrängung: 30 Tonnen
Registertonnen: 23,7 BRT
Höhe über Wasser: 23,15 Meter
Takelung: Yawl
Vermessene Segelfläche: 156,49 m²
Großsegel: 84,00 m²
Besan: 19,00 m²
Fock: ca 63 m²
Genua: ca 80 m²
Spinnacker: ca 200 m²
Sturmfock: 24 m²
Sicherheitsausrüstung: Entsprechend den Sicherheitsrichtlinien der KA des DSV bzw. IOR
Pumpen: 2 Elekropumpen, 3 Handpumpen Ges. Leistung 40 cbm/h
Navigationsausrüstung: Kompletter Satz Seekarten und Handbücher für Nord- und Ostsee,
GPS, Funkpeiler, Radar, UKW-Sprechfunk mit GMDSS Controller,
Breitband-Empfänger, Wetter-Fax , Fernschreib-Wetterempfänger
Inmarsat M, D-Netz Telefon
Kojen: 10
Sonstige Ausrüstung: Diesel-Generator 3,5 kW, Akkusatz 720 Ah, Notakku 100 Ah
4-flammiger Herd in der Pantry, Gas-Heizung
Wasservorrat ca 550 Liter
4 Anker, 100 Meter Kette

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